»Höre einmal, Landläufer,« sagte er, »du hast oft genug zu thun gehabt mit den Franzosen auf festem Grunde und Boden, jetzt kann dir desgleichen mit ihnen oder den Spagnolen auf dem beweglichen Wasser begegnen. Die welschen Seehunde sind frech und übermüthig geworden. Sie wagen sich in Schaluppen und selbst in Schoonern in die Flußmündungen hinein, um im Innern des Landes den Handel zu stören und Beute zu machen. Ich stehe dir nicht dafür, daß so ein naseweiser Franzose oder ein hochmüthiger Don uns nicht in den Weg kommt und wir einen Strauß mit ihm auszufechten haben, den man hören wird von Dortrecht bis Antwerpen. Dafür ist meine sonst friedfertige Syrene mit Böllern gerüstet, mit Schießgewehr und Pulver wohl versehen. Sie sollen nur kommen! Capitän Jansen hat nicht umsonst unter Ruyter und de Witte seine Lehrjahre gemacht.«

»Mein Degen soll an den Galgen gehängt werden, wenn er ihnen nicht die Wege weist auf gut oranisch!« rief sehr lebhaft Cornelius, indem die Aussicht auf ein kriegerisches Unternehmen ihn einige Augenblicke die Sorge für Clelien vergessen ließ. Gleich darauf setzte er jedoch bedächtig hinzu, »aber meine Schwester — wie wird es ihr ergehen, welche Lage für das Mädchen —«

»Pah!« fiel Jansen mit einem rauhen Gelächter ein. »Wenn du besorgt bist um ihretwillen, so wirst du nur desto besser fechten, und was sie betrifft, so mag sie’s mit meiner Frau halten, die bei solchen Tänzen nicht auf dem Verdeck fehlt und ihren Böller so schußgerecht abfeuert, wie ein gelernter Canonier. Potz Bramsegel und Fockmast! Es ist nicht das erstemal, daß sie dabei ist. Du solltest sie nur sehen, mit welcher Geschwindigkeit sie ladet, zielt, die Lunte einschlägt und immer dem Schiff in die Weichen trifft, daß es eine Freude ist. Ja, sie ist geboren zu eines Seemanns Frau, die Beckje! Und wie es auch drunter und drüber geht, wie die Kugeln über das Schiff schwirren und die Enterhaken der Feinde durch den Dampf herüberglänzen, so schweigt keinen Augenblick ihr Spottlied:

»Die Geusen wollen jagen
Auf den hispan’schen Don,
Doch wo sie nach ihm fragen,
Lief er schon längst davon!«

»Das ist ganz vortrefflich von der Beckje,« erwiederte gedehnt der Junker van Daalen, »und es würde mir allerdings eine große Freude seyn, sie in ihrer kriegerischen Thätigkeit zu bewundern, aber meiner Schwester wegen, die keine solche Heldin ist, wäre es mir doch lieber, du setztest uns in Dortrecht oder, wo es sich sonst gut thun läßt, an’s Land!«

»Ich glaube gar, du fürchtest dich?« versetzte mit einem Anfluge von Spott der Schiffscapitän. »Du mußt aber nun schon aushalten, bis wir in den Haven von Antwerpen einlaufen, denn gerade an den Küsten wimmelt es von feindlichen Kreuzern in einer Menge, der ich nicht gewachsen bin. Halte dich nur ruhig im untern Raum, wenn’s drauf und dran geht, Beckje wird dich schützen.«

»Hölle und Marlborough!« fuhr Cornelius wild auf und eine dunkele Gluth überzog sein Antlitz. »Hätte mir ein anderer, als du das gesagt, Jansen, so müßte er den Schandflecken mit seinem Blute mir abwaschen. So aber weiß ich, daß du nur scherzest, denn du kennst recht wohl die Bedeutung dieser goldenen Ehrenkette, die mir der ruhmwürdige König Wilhelm eigenhändig angelegt. Ich habe die Sache nun auch schon besser überlegt und denke nicht mehr daran, mich mit den Weibern auszuschiffen. Laß sie nur kommen und du sollst sehen, daß ein Landläufer, wie du mich zu nennen beliebst, mit Geschoß und Degen so gut umzugehen versteht, wie eine Wassermaus!«

Jansen schüttelte lächelnd seinem Freunde die Hand.

»Nimm’s nicht übel, Bruderherz!« sagte er gutmüthig. »Aber, du mußt uns Seeleuten schon die Eigenheit hingehen lassen, daß wir gern Euch Landhelden ein Wenig aufziehn. Die Geusen haben Holland frei gemacht und deshalb steht ihnen auch wohl eher ein Wort frei, als andern. Unsere Tromp, Ruyter und de Witte beherrschten das weite Weltmeer, während ihr Mühe hattet, die Grenze zu behaupten.«

»Freilich,« entgegnete Cornelius in einem angenommenen Tone eben solcher Gutmüthigkeit, »haben die Wilhelme und Moritz von Oranien nichts gethan, dem alten Ouwerkerk ist der Degen in der Scheide festgefroren und ihr habt den Franzosen Jean de Baert allenthalben geschlagen, wo er euch aufgestoßen.«