»So wahr ich Peter Trip heiße und ihr mich frei haltet am heutigen Morgen!« erwiederte mit schwerer Zunge der Angeredete und leerte ein großes Glas. »Freilich, müßte ich nicht immer wichtiger Geschäfte halber im Haven bleiben, hätte ich können auf der Syrene seyn, als es drunter und drüber ging mit dem überlegenen Spagnol, so hätte es eines solchen Naseweis von Landjunker nicht bedurft, um den Feind in die Luft zu sprengen!«
»Wenn sich das mit Saufen thun ließe, so wärest du gewiß der erste gewesen!« bemerkte, unter dem schallenden Gelächter seiner Genossen, ein Anderer. »Das ist dein wichtigstes Geschäft zu Land und zur See.«
»Laßt ihn weiter erzählen!« rief der erste. »Ihr werdet ihn böse machen mit Eueren aufgewärmten Witzen und dann erfahren wir nichts. Daß Peter Trip gern trinkt ist eine alte Geschichte hier in Rotterdam und wir wollen Neues hören von Draußen herein!«
»Er möchte nur gern allen Wachholder in der Welt für sich allein haben,« sagte Trip mit einem giftigen Blick auf den Spötter. »Aber ich lasse mich nicht irre machen, der Ruhm des Schiffes, dem ich angehöre, soll so laut werden, wie ihn Peters Mund nur auszubringen vermag und ihr alle da, die ihr auf Linienschiffen und Fregatten dient, sollt Respect bekommen vor der Barke Syrene, Capitän Jansen!«
»Erzähle nur, lieber Trip!« bat sein Freund. »Trink erst noch einmal! Das macht die Zunge geläufig.«
Weder zu dem einen, noch zu dem andern ließ sich Peter lange nöthigen. Der lauschende Hazenbrook erfuhr nun das kriegerische Abentheuer im Biesbosch, das unsern Lesern bereits bekannt ist. Der Erzählende selbst war von dem Bootsmanne eines Schiffes, welches der Syrene am Tage nach dem Gefechte begegnete, davon unterrichtet worden. Aber Eobanus erfuhr noch mehr. Er hörte, daß eine wunderschöne Jungfer mit Cornelius an Bord der Barke gewesen, daß beide schon am Abende des ersten Tages die Syrene verlassen, um ihre Reise nach Mastricht zu Lande fortzusetzen, er vernahm auch von zwei jungen Leuten, die auf dem nachfolgenden lustigen Freier von Rotterdam sich eingeschifft hatten und, der genauen Beschreibung zu Folge keine andern seyn konnten, als die Leydener Studenten Le Vaillant und La Paix.
Er sah seine Angelegenheit in schönster Blüthe stehen, der gedeihlichen Frucht entgegenreifend. Nichts schien ihm gewisser, als daß die zwei Jünglinge die Spur der Entflohenen gefunden haben mußten, daß entweder La Paix durch List oder Le Vaillant, der ein vortrefflicher Fechter war, durch Gewalt sich in den Besitz der Jungfrau van Vlieten setzen würde, um sie ihm zurückzubringen, als Pfand für des Vaters testamentarische Verfügung. Er war seelenvergnügt und stimmte, ohne an den Ort zu denken, wo er sich befand, zum Erstaunen aller Anwesenden das lateinische Lied an:
Ecce quam bonum,
Bonum et jucundum etc.
Das tobende Gelächter der Matrosen riß ihn aus seiner Zerstreuung empor. Von ihren Spottreden verfolgt, floh er auf sein Zimmer, aber indem er die Treppe zu diesem hinaufrannte, kam ihm noch ein sehr glücklicher Gedanke in den Sinn. Konnte er denn die Nachrichten, die er aus dem Munde des wachholderdurstigen Peter Trip gesammelt, nicht zum Vorwande eines Besuchs bei Herrn van Vlieten benutzen? Gab ihm nicht der glücklichste Zufall Mittel und Wege an die Hand, den Isisschleier, der sich vor ihm nicht lüften wollte, zu umgehen und hinter ihn zu blicken nach demjenigen, der seiner Sinne und Gefühle Meister geworden? Er kleidete sich rasch an. Der beste Rock und die Sonntagsweste wurden hervorgeholt, ein kleiner zierlicher Stahldegen an die Seite gesteckt und das Seidenhütchen mit der rothen Besetzung, das seine akademische Würde bezeichnete, unter den Arm genommen. Er betrachtete sich, nachdem Alles zu Stande gebracht, wohlgefällig im Spiegel.
»Du siehst ja aus, wie ein Bräutigam, Eobanus?« schmunzelte er sich selbst an. »Und bin ich es denn etwa nicht?« erwiederte er. »Bin ich nicht ein Bräutigam der Musen und will eben hingehen, ein neues Verlöbniß mit ihnen zu feiern per procurationem durch einen ihrer Stellvertreter?«