»So war es Clelia nicht!« sagte der Junker, der sich in der Hoffnung, eine Spur der Geliebten zu finden, unangenehm getäuscht sah.

»Ein junger Mensch mit einer rothen Nase und einem stachelichten Barte?« hob im Tone des Argwohns und der Erwägung Jansen auf’s Neue an. »Wo habt Ihr sie denn eingenommen, Eueren jungen Menschen und Eueren Professor?«

Das war eine Frage, deren Beantwortung Peter Trip gern vermieden hätte. Sie konnte weiter führen und den Capitän mit seinen Rettungsversuchen während des Brandes, die Hazenbrook ganz richtig als Bemühungen für den eigenen Seckel bezeichnet hatte, bekannt machen. Aber er fürchtete die Strenge seines Herrn und hatte nicht den Muth ihn zu belügen.

»Ei, dort!« erwiederte er mit gedämpfter Stimme und zeigte nach dem van Vlietenschen Wohnhause. »An einer Hinterthüre. Der Professor brachte den ohnmächtigen Kranken herab. Er hatte recht seine Last mit ihm. Wir mußten versprechen, nichts zu verrathen, so ging’s fort und wir schmuggelten die Passagiere glücklich an der Havenwache vorbei.«

»Während des Brandes?« fragte hastig Jansen.

»Gleich zu Anfang,« lautete die Antwort. »Es war Alles still dort. Niemand hat uns gesehen.«

»Blixen, mir geht ein Licht auf!« fuhr Herr Jan mit einemmale aus seiner gewöhnlichen Ruhe empor. »Der Kranke war kein anderer als Myn Heer van Vlieten und der verdammte Professor hat ihn entführt, um ihn auf egyptische Art einzumachen. Aber das soll ihm übel bekommen, dem Menschendieb! Ich laufe zum Bürgermeister, ich lasse mir gerichtliche Vollmacht geben, ich will sehen, ob ein dicker und angesehener Bewindhebber von Rotterdam von einem solchen egyptischen Seeräuber ungestraft aus seiner eigenen Stube gestohlen werden darf!«

Was er gehört hatte, war hinreichend seinen Zorn zu entflammen. Er drängte sich rasch durch die versammelten Neugierigen und richtete seine Schritte nach dem Hause des Bürgermeisters. In der Person des Herrn Tobias schien ihm der ganze Handelsstand von Rotterdam schwer beleidigt. Er selbst wollte noch an diesem Abende die Reise nach Leyden antreten, um dort unter gerichtlichem Beistande den alten Freund, mit dem er doch manche Schaale Thee im Prinzen-Collegium getrunken, wenn es noch möglich sey, von dem schmählichen Schicksale des »Einmachens« zu retten. Dieses war ein großer Entschluß für einen Mann, der so sehr an ein ruhiges, gemächliches Leben gewöhnt war, wie Herr van Daalen: aber welche mächtige Hebel hatten auch mit einemmale seine Seele ergriffen? Es war die Rache, die er früher noch nie gekannt, die — Hoffnung, die ihn neu belebte!

»Fort, fort!« rief auch Cornelius, als der Alte kaum den Rücken gewandt hatte. »Beim Degen des großen Marlborough, dieser Hazenbrook ist ein entsetzlicher Mensch! Er läßt die Tochter entführen, während er selbst den Vater raubt. Welche schrecklichen Absichten lauern unter der Hülle dieses Geheimnisses? Ich will sie zerreißen, zerhauen mit dem Degen, wenn es seyn muß. Komm mit, Jansen! Meine Pferde sind gesattelt. In drei Stunden sind wir in Leyden. Nassau und Oranien! Ich will den Professor und der Professor soll mich kennen lernen.«

»Meinetwegen!« versetzte Jansen. »Ich bin ein schlechter Reiter und wenn ich den Hals breche, hast du es auf dem Gewissen. Aber ich habe dir versprochen, dich nicht allein in der tollen Geschichte stecken zu lassen und mein Wort halte ich. Du,« rief er, schon im Fortgehen, nach Peter Trip hin, der sich bereits mit dem Gedanken schmeichelte, von seinem gestrengen Gebieter vergessen worden zu seyn, »du trollst dich im Augenblicke auf die Syrene und wenn du sie eher verlässest, als ich wiederkomme, so soll dir des Bootsmanns Ruderstange um den Kopf wirbeln, daß du deine Dukaten für Kopfstücke ansiehest und dir die Wachholderlust auf lange hin vergeht!«