Hilf Himmel! Sie war hingemordet und neu geboren, geschändet und gleichzeitig getauft in dem lodernden Geist, der dort draußen über die Wasser glühte, und mit einem trunkenen Schrei löste sie sich von der Mauer und taumelte über die Stufen in den Burghof zurück, das Eigentum einer fremden, sie unterjochenden Gewalt.


In dem leeren Kastell wurden Türen auf- und zugeschlagen, eine fieberische Hand suchte, riß an sich und fand, und eine kurze Weile später sahen die Männer an dem Boot, da man es gerade tiefer in die Flut hinabdrückte, wie sich ihnen ein junger, schlanker Bursche in der schwarzen Dänentracht näherte.

»Kuck,« zeigte der Bootsmann Wulf Wulflam und schob seinen schweißigen Stiernacken vor, »da kommt einer, ist nicht ausgekniffen! Was mag das Kindlein wollen?«

Auch die anderen Matrosen hielten breitbeinig in ihrer Arbeit inne, stemmten die Fäuste in die Seiten und wunderten sich, woher wohl der blasse blonde Fant den Mut aufgebracht, sich so zutraulich ihrer Rotte zu überliefern, die mit Spähern und Kundschaftern nicht gerade viel Federlesens zu machen pflegte.

»Potz Marter,« witterten ein paar der ausgepichten Spürnasen. »Kuckt, die Hüften und das Beinwerk. Gebt Achtung, da stimmt was nicht.«

Und da meckerte auch schon der Bootsmann aus vollem Halse, kniff die Augen zusammen und legte seinen schweren Arm prüfend um die Schulter des Ankömmlings.

»Bist ein Bürschlein, Feintrauter?« schmunzelte er. »Oder ein Jüngferlein? Sag mir's ins Ohr. Was willst du?«

Der Bursche wurde noch um einen Grad bleicher, aber er nahm sich zusammen und zwang seine sanfte Stimme zur Festigkeit, als er erwiderte:

»Wenn du ein Mensch bist, so leite mich zu deinem Herrn. Ich will bei euch bleiben und mit euch ziehen.«