[[*]] Des Übermenschen. Ein Ausdruck des Seneca.

Jetzt rückte der Störtebecker die Glutpfanne geräuschvoll hin und her. Verdüstert, mit weit aufgerissenen Augen starrte er dabei in den Brand.

»Bleib mir mit den Kindereien vom Leibe, Heino,« forderte er heftig, »die Zeit kennt Höheres. Und doch – will's nicht verschwören, schaff mir den kecken Spatz ins Nest, und er soll eine weiche Daunenstatt finden.«

Geringschätzig bewegte er die Hand, man sah ihm an, daß er nicht zum Scherzen aufgelegt war. Der Magister verzog den weichen Mund:

»So zahm ist mein Büblein worden?« sank er verwundert und ein bißchen höhnisch zurück. »Wo mangelt's noch? Wollen sich die neuen Erdklöße von den Prometheushänden nicht formen lassen?«

Kaum war dem Zwerg der leichte Spott entglitten, da wandte sich der über das Feuer geduckte Admiral jählings herum. In dem geröteten Antlitz sprang eine Glut hin und wider, durch die dunklen Augenhöhlen fegte eine Brunst, daß der Kleine, der solch tiefen, zermarternden Ernst nie bei seinem Gefährten vermutet, den Atem anhielt.

Schwerfällig erhob sich der Störtebecker, und nachdem er nahe genug an das Ruhepolster geschritten, zog er den Magister mit einem Faustgriff in die Höhe. Auf den Knien lag nun der Wicht vor dem Riesen, und dieser umhüllte den strohblonden Schopf des Kleinen erst sanft mit beiden Händen, bevor er ihm, wie ein Knabe seinem Spielzeug, in zitternder Bewegung das unterste Geheimnis anvertraute:

»Heino,« wollte er flüstern, allein es klang scharf, gleich dem Ritzen eines Messers, das in hartem Gewebe auf Widerstand stößt, »der Lehm, aus dem die Brut werden sollte, ist schon vorher von rohen Fäusten verstümpert worden. Hält schwer, diese Masse zu kneten, wie wir es stets im Sinne trugen. Und dann – du folgst mir doch Freund? Du lächelst doch nicht? Ich würde dich erwürgen, wenn du jetzt grinsen könntest – dann – wo nehme ich das Messer her, das Beil, die Säge, damit ich dem einen jenes Haupt aufsetze, um das der andere höher ragt? Und die Füße und Hände, die ich abschneiden muß? Und die vielen Sehnen und Glieder? Höre, Heino,« und die schwarzen Sterne des Sprechenden erweiterten sich immer mehr zu großen glanzlosen Sonnen, die ihre eigene Farbe verzehrt hatten, »ich meinte, die Freude würde es wirken. Die Freude am gleichen Besitz, der Jubel über die Freiheit, sie könnten den alten Geist aus dem Raubtiergezücht austreiben. Den Rost aus ihren Seelen. Neue Menschen würden neuen Tag grüßen.« Er schüttelte das lockige Haupt und kam dabei dem Knienden so nahe, daß ihr Atem sich vermischte. »Dem ist nicht so,« sprach er unterdrückt. »Bald wird es sein. Bald. Aber jetzt noch nicht. Wir müssen warten. Diesen Winter noch! Diesen einen nur. Aber warten heißt die Straße des Todes. Mein Atem vereist mir auf diesem Weg. Ich mag nicht warten. Ich kann nicht lauern. Deshalb, Bereicherer meiner Jugend,« und die hohe Gestalt warf sich neben dem Winzigen nieder und umklammerte seinen Hals, »deshalb brauche ich Teilnahme, Unterstützung, ich muß an mich ziehen, was ich besitze – – – «

Und stürmischer als je folgte nun die Auseinandersetzung, die schon oftmals zwischen den beiden Freibeutern ohne Ergebnis zerronnen war. Heute aber warf sich der Admiral mit solch drängender Überredung auf seinen alten Gefährten, daß er dem Klugen, ohne es zu wollen, arglos die ganze Bitternis seines Suchens enthüllte.

Da vernahm es der Magister abermals.