Demütig kniete sie nieder und versank vor der Tafel in ein unhörbar Gebet. Die schmiegsamen grünen Linien des Weibes lagen vor dem Bild hingegossen wie frischer, wölbiger Rasen. So sehr hatte die Menschenkennerin ihre Beherrschung wiedergewonnen, daß selbst der scharfsichtige junge Admiral zweifeln konnte, ob sich hier Echtes äußere oder der gewohnte Drang zur Darstellung. Allein um die Lippen des Seefahrers regte sich doch ein verborgenes Lächeln.
Die Königin mußte es ahnen, denn sie erhob sich rasch.
»Ich danke dir, Admiral,« sagte sie herzlich und reichte ihrem Besucher die Hand. Es war eine weiche, bannende Frauenhand, und in der Umspannung bebten die starken Kräfte des Willens und der Unterjochung. Der Störtebecker aber stand fröhlich vor ihr, ungebrochen und sie um ein Haupt überragend. Da erkannte Margareta mit Bedauern, daß es Zeit sei, diesem Willensmächtigen vorerst kleinliche Gelüste zu opfern. Voll Würde und mit einer freien Anmut ließ sie sich auf ihrem hohen Sitz nieder. Ihr scharfes Antlitz nahm dabei etwas Festliches an. »Setzen wir uns,« forderte sie, »auch du, Nikolaus Störtebecker, laß dich nieder. Hier, neben mir. Und dann will ich dir verkünden, warum sich meine Gedanken schon lange mit dir beschäftigten.«
Allein Claus Störtebecker rührte sich nicht. Unanfechtbar sicher klang es von dem Aufgerichteten zurück:
»Ich kenne deine Gedanken, Königin. Und du brauchst mir nichts zu verkünden.«
Was war das? Margareta zuckte getroffen zusammen.
»Was weißt du von mir?« herrschte sie den Mann an, der sie so mühelos entgöttlichen wollte.
Unerschrocken und seinen dunklen Blick fest in den ihren verstrickt, entgegnete der Admiral:
»Ich weiß, daß du ein Reich in Not und Kummer zusammengerafft hast. Aber auch der Dieb, der über die Mauer steigt, erduldet Schmerz und Plage. Jetzt willst du herrschen, wie vor dir zahllose deinesgleichen, Berufene und Unberufene, ihre Gewalt zärtlich hegten. Und deshalb mußt du deine Krone täglich waschen mit Gotteswort, mit dem Schweiß der Namenlosen, mit List, Tränen und Blut, damit sie den Deinen die Augen blende.«
»Was wagst du?« hauchte das Weib.