»Ja gewiß, Herr Konsuhl.«

»Sind dir die Adressen unserer jungen Leute bekannt?«

»Alle.«

»Dann begibst du dich jetzt unverzüglich, da dir ja soviel an nächtlicher Bewegung liegt, zu jedem Einzelnen und bestellst, daß heute früh, wie an jedem anderen Tage hier gearbeitet wird. Sie sollen sich durch die Hintergasse in dem Lokal einfinden, denn vorn wirst du sofort das Tor verschließen und die eisernen Stangen vorlegen. Hast du mich verstanden, Pawlowitsch?«

»Vorzüglich, Herr Konsuhl. Hier ist auch schon der Anzug von gestern abend.«

Der Kaufmann sprang aus dem Bett. »Gut, gut, du brauchst mir nicht zu helfen. Aber Licht muß ich haben. Hier hast du die Schlüssel, lauf rasch in das Detailgeschäft und hole ein paar Pfund Kerzen herauf. Davon stellst du auch einige in mein Arbeitszimmer. Dalli, dalli!«

»Herr Konsuhl,« jammerte plötzlich der Hausmeister, der, anstatt sich zu entfernen, unschlüssig an der mit Fries gepolsterten Tür stehen geblieben war, um nun krampfhaft die Hände umeinander zu reiben, »Herr Konsuhl,« rief er in wirklich ausbrechendem Schmerz, »darf ich nicht wenigstens noch das Service mit heißem Kaffee in das Arbeitszimmer bringen?«

»Jawohl, du Dummkopf,« gab sein Herr, der so schnell wie noch nie in seine Kleider gefahren war, etwas versöhnter zurück. »Aber nun, Mensch, wirf endlich die Beine um die Ohren. Heute ist keine Zeit zu Rasiergesprächen.«

»Ja, ja, gewiß, vorzüglich, Herr Konsuhl – guten Morgen – die Jungfrau Maria behüte Sie.«

Mit wirrem Haupthaar, kaum ein wenig von dem abgestandenen Wasser befeuchtet und erfrischt, stieg der Prinzipal in sein altertümliches Büro herab. Merkwürdig, die Kerzen brannten schon überall auf Tischen und allen erdenkbaren Vorsprüngen und erleuchteten den weiten Raum mit seltsam schwebenden Schatten. Ein Weben und Gleiten ging unter den weißen gotischen Bogen dahin, und die starren blassen Gesichter der Evangelisten in den Mauernischen, sie schienen sich zu neigen und zu drehen, als wenn auch sie furchtgeschüttelt von dannen schweben wollten. Auf dem Sockel der großen Petrusstatue stand eine alte Blechlaterne aus dem Geschäft, und die in ihr brennende Kerze sandte einen flackernden Qualm zu dem hölzernen Riesen empor. Weihrauch der Angst.