Und nun sitzen die beiden vor dem groben Gesindegeschirr, schlürfen von dem brennend heißen Getränk und beginnen an ihrer trostlosen Vereinsamung beinahe ein romantisches Gefallen zu finden.
Wieder wähnen sich beide auf eine winzige Insel verschlagen, und hingegeben an den wohligen Schauer der immer näher rückenden Gefahr, horchen sie auf die wilden Geräusche, von denen draußen die Straße widerhallt. Es klirrt und rasselt, galloppiert, schreit und tobt, gröhlende Lieder, in einer fremden Sprache gebrüllt, schlagen zu ihnen herein, und plötzlich schmettert etwas durch die Eisengitter der Fenster hindurch, und klirrende Glasscherben spritzen innen gegen die geschlossenen Holzläden.
»Ruhig, ruhig,« beschwichtigt der Kaufmann und fährt wieder mechanisch über die bebende Mädchenhand.
Doch Isa rührt sich nicht. Still, wie bisher, sitzt sie auf der Lehne des Stuhles, hält den Atem an, und die Nähe ihres Gefährten wirkt so stark auf sie, daß sie sogar versucht, das rasche Jagen ihrer Brust zu bezwingen.
Ein Augenblick der Stille tritt ein. Scharf und schreckhaft hebt sich die lähmende Ruhe des großen Gemaches ab von dem dröhnenden Toben der Straße. Und so schmerzend sicher schlürft das bis aufs Äußerste angestrengte Gehör der beiden Einsamen jeden Ton in sich hinein, daß nicht allein die schneidenden Schwingungen der fremdartigen Hornsignale, die dort draußen den Lärm übergellen, ihr Innerstes durchstoßen, sondern auch das Knistern und Zucken der vielen Lichter bis an ihre zum Zerreißen aufmerksamen Sinne dringt.
Da –
»Herr Konsul,« fährt Isa auf.
Auf den Pflastersteinen der Einfahrt hallt es von unzähligen Fußtritten.
Ist es möglich? Der Konsul erhebt sich langsam. Ein törichter Kindertraum däucht ihm das Ganze, denn das schwere Eingangstor ist ja bis jetzt nicht dem geringsten Angriff ausgesetzt gewesen. Oder sollte etwa – –
Allein alle diese Zweifel und Bedenken gelangen nicht mehr an ihr Ende.