»Rudolf Bark,« rief er mit seiner gebrochenen Knabenstimme, in die er vergeblich einen militärischen Kommandoton zu legen suchte, »ist hier der Konsul Rudolf Bark anwesend?«
Der Prinzipal des »Goldenen Becher« erhob sich.
»Was steht zu Diensten?« fragte er kurz.
»Sie sind es? Ach ja,« erinnerte sich das uniformierte Kind und errötete leicht; dann aber besann es sich und verbeugte sich förmlich. »Unterleutnant von Karström,« stellte er sich vor.
Und Rudolf Bark erriet nicht allein aus dem Namen, sondern vor allem an der flüssigen Aussprache des Deutschen, daß er einen Balten vor sich habe.
Der Unterleutnant blinzelte flüchtig in sein Papier und fuhr fort:
»Sie werden mir folgen. Ich habe den Befehl, Sie auf das Rathaus zu unserem Kommandanten zu bringen.« Und einen Blick auf den eleganten hellen Sommeranzug seines Gefangenen heftend, setzte er mit einer Rücksicht, die er durchaus nicht verleugnen konnte, höflich hinzu: »Bitte bedecken Sie sich mit Ihrem Hut.«
Hier zuckte der Konsul die Achsel. Und nachdem er erklärt, daß man ihn barhäuptig hierher transportiert, da errötete der junge baltische Adlige von neuem und schüttelte ratlos das schmale, kränkliche Haupt. Selbst den Konsul rührte diese kindliche Unbeholfenheit.
»Ich werde mir mit Ihrer Erlaubnis, Herr Unterleutnant,« half er deshalb rasch ein, »einen Hut von einem meiner Mitgefangenen ausborgen. Nicht wahr, Herr Kowalt, Sie sind so freundlich?«
»Ja allerdings, bitte tun Sie das,« atmete der Balte ganz erleichtert auf. Dabei verbeugte er sich unwillkürlich, als der Kaufmann nun mit dem abgetragenen fettigen Hut des Pferdehändlers in der Hand an ihm vorüberschritt.