»Dann könnte man vielleicht zu dem Entschluß gelangen, eine Leibwache zu halten oder des Nachts das Zimmer fester zu verschließen.«
Johanna starrte den Sprechenden an. Dann versetzte sie hart und kurz, während sie bereits die Tür öffnete:
»Sie scherzen natürlich. Etwas Derartiges haben Sie vorläufig nicht von mir zu befürchten.«
»Ah, vorläufig,« wiederholte Dimitri verblüfft und strich spielend über sein braunes Haar. »Ihre Enthüllung interessiert mich ungeheuer, gnädiges Fräulein. Sind Sie denn so ganz ohne Haß gegen mich?«
Die Blonde blieb ernsthaft.
»Das nicht,« entgegnete sie wahrheitsgemäß und blickte zu Boden, »aber Sie müssen als Ausländer die Frauengestalt des deutschen Dichters mißverstanden haben. Mein Urteil ist natürlich gar nicht maßgebend, aber ich meine doch, die Judith handelte aus anderen Beweggründen.«
»Und darf man die nicht erfahren?« fragte Fürst Fergussow gespannt.
»Das hat keinen Zweck,« schnitt das Mädchen entschlossen ab, »ich könnte auch gar nicht ausdrücken, was ich meine.« Und in ihren gewohnten und frostigen Ton zurückfallend, forschte sie: »Haben Sie sonst noch Wünsche oder Befehle für mich, Durchlaucht?«
Der Russe verschränkte seine Hände und führte mit ihnen eine verzweifelte Bewegung gen Himmel aus.
»Ja, liebstes Fräulein,« rief er lebhaft, »Himmel und alle Heiligen, ich wünschte von Herzen, Sie einmal lächeln zu sehen.«