»Steht alles gut bei Ihnen, Johanna? Sind Sie alle wohlauf? Ist niemand in dieser schlimmen Zeit etwas Böses zugestoßen?«
Niemals zuvor war die Gutsbesitzerin von dem nachdenklichen jungen Offizier mit ihrem Vornamen angeredet worden. Aber als sie jetzt, umgeben von der nahen Gefahr, in der dunklen verschlungenen Haselnußlaube weilten, fand die Blonde das Benehmen des jungen Mannes ganz natürlich. Und einer mütterlichen Wallung unterliegend, und ohne Rücksicht auf ihre saubere Kleidung, strich sie ihrem atemschöpfenden Gefährten aufmunternd über die schmutzige Wange. Dann flog die Rede zwischen ihnen hin und her.
»Nein, Fritz, es ist niemand von uns etwas zugestoßen. Niemand,« setzte sie mit besonderer Betonung hinzu, da sie die dunklen Augen des Offiziers so beharrlich ihr Wohnhaus suchen sah, »nur meine Schwester Isa ist bis jetzt nicht zu uns zurückgekehrt, und wir leben daher in schwerer Besorgnis.«
»Das weiß ich, Fräulein Grothe, das weiß ich. Sie müssen nicht glauben, daß wir uns so ganz ohne Kenntnis über die hiesigen Zustände befinden. Oh nein, wir wissen weit mehr, als sich diese Eisbären träumen lassen. Sie sehen ja, wir spazieren hier sogar ganz ungeniert in ihren Linien herum.«
»Ja, um alles in der Welt, Fritz, – verzeihen Sie, wenn ich danach frage – aber was haben Sie denn hier vor? Was bedeutet Ihr abscheulicher Aufzug? Sie sind doch nicht etwa als Spion hierher geschickt?«
Jetzt zuckte der triefende junge Mensch unwillkürlich zusammen. Das schonungslose Wort schien ihn für eine Weile zu verdüstern. Schwermütig verzog er die Augenbrauen und starrte eine Zeitlang auf den braunen Lehmboden zu seinen Füßen.
»So müssen Sie meine Tätigkeit nicht bezeichnen, liebes Fräulein,« sagte er endlich ruhig. »Ich habe es mir gründlich überlegt, ehe ich mich zur Ausführung dieses Befehls meldete. Denn es gehört einer dazu, der – –« Hier stockte der Redende, als hätte er schon zu viel geäußert.
»Was Fritz, erklären Sie sich deutlicher!«
Der junge Mann aber warf die Rechte abschneidend durch die Luft.
»Nichts,« entgegnete er besonnen und lächelte zuversichtlicher. »Ich darf selbst Ihnen wirklich nicht mehr verraten, liebe Johanna. Es geht ganz gegen die Ordre. Aber wenn Sie vielleicht eine alte Uhr zum Reparieren für meinen Quartierwirt Adameit mitzugeben haben,« fuhr er mit gutmütiger Neckerei fort, »dann will ich sie dem alten Tausendkünstler pünktlich in die Hände liefern.«