Gewaltsam richtete sich der Russe auf, und es schien, als ob er durch die Tür von dannen stürzen wollte. Allein in der nächsten Sekunde mußte er sich mit beiden Händen an den Tisch klammern. Er schwankte, die stark duftenden Juchtenstiefel suchten vergeblich einen Halt.
Johanna jedoch, obwohl ihr Herz zu jagen anhob, vergaß, was sie dem Hilflosen schuldete, und regte sich nicht. In ihrem weißen Antlitz brannten die sonst so kühlen blauen Augen in einem bösen Feuer. Ein gieriges Lächeln, ganz widerspruchsvoll und unheimlich, schlängelte sich um ihre Lippen. Wie sie so aufragte, da hätte sie auch einem minder Verzweifelten Furcht einflößen können. Und der Kranke, der sich nicht aufrecht zu erhalten vermochte, beugte den Hals vor und starrte in plötzlich aufspringendem Entsetzen auf seine unbewegliche Gastgeberin.
»Was wollen Sie?« keuchte er, »halten Sie mich nicht auf!«
Aber Johanna sperrte ihm ungerührt den Weg.
»Herr Rittmeister« brach es mit einem Mal hell und voll versteckter Wollust aus ihr heraus, »meinen Sie, daß Ihrem Heer irgendeine Katastrophe bevorsteht?«
»Das weiß ich nicht, – das habe ich nicht gesagt – nicht die leiseste Andeutung gemacht. Ich bin krank. Meine Gedanken gehorchen mir nicht mehr. Sie wissen, sie springen herum, wie auf einem Tanzboden. Was lachen Sie mich so an? Oh, ich weiß, was Sie uns wünschen! Sie sollten sich hüten!«
Jedoch die Älteste von Maritzken hütete sich nicht. In ihren Mienen verkündete sich immer deutlicher eine wilde Wonne.
»Herr Rittmeister« sog sie förmlich aus dem ihr Unterlegenen heraus, »nicht wahr, Fürst Fergussow befindet sich gleichfalls auf den Linien, die Sie vorhin auf der Karte bezeichneten?«
»Ja, was geht er mich an? Der Teufel soll ihn holen!«