»Marianne,« begann er, sich gewaltsam von diesem Gefühl losreißend, »die Zeit begünstigt keine Neckereien. Hat dir deine Schwester Johanna nicht mitgeteilt, daß ich heute vormittag bei ihr um deine Hand anhielt?«
Wie von einem Stoß in den Nacken getroffen flog Marianne empor. Zitternd vor Schrecken stand sie dicht neben dem Offizier, ihre Augen gruben sich aus nächster Entfernung ineinander.
»Nein,« brachte sie bestürzt heraus, und es war, als wenn sie ein leichtes Frösteln überwände, »das liegt nicht in Johannas Art. Sie hat mir nicht das geringste verraten. Um Gottes willen, Fritz, wie konntest du das?«
»Wie ich das konnte?«
In dem Manne verwirrte sich jedes Begreifen. Völlig entglitt ihm die Beherrschung dieser Zwiesprache, die so vollständig den Charakter einer landläufigen Unterhaltung anzunehmen drohte. Nein, der junge redliche Mensch vermochte sich durchaus nicht mehr zurechtzufinden. War es denkbar, die Herrscherin über sein zukünftiges Leben, dieses heiße, glühende Geschöpf, es jauchzte nicht auf, als all die unwürdigen Heimlichkeiten, all das böse Versteckspielen von ihnen abgleiten sollten? Sie bekannte sich nicht sofort bedingungslos zu ihm, sie verstand nicht, daß eine rechte deutsche Frau in der großen allgemeinen Not jeden Zweifel, jede Bedenklichkeit von dem Geliebten fortscheuchen und für immer entfernen müsse? Nein, das ertrug er nicht. Langsam umklammerte er ihren Arm, und obwohl er fühlte, wie sie schmerzhaft zuckte, fragte er noch einmal mit aller Zusammenfassung seiner Willensstärke:
»Marianne, du weißt, mein Dasein ist an das deine geknüpft. Gib mir deine Hand und bestätige mir noch einmal, daß du mein Leben, so bescheiden es auch ist, teilen willst.«
Hilflos schickte Marianne ihren Blick umher, ein rasches Aufatmen hob ihre Brust, und während sie, wie um ihren Bedränger zu besänftigen, ihm immer noch mit ihrer zarten, weichen Hand die Wange streichelte, da rang sie sich kleinlaut ab:
»Du weißt, Fritz, wie gern ich dich habe.«
»Gern? Nun gut, Marianne, auch das genügt mir. Aber dann wollen wir jetzt hinunter gehen, um den Deinen unser Verlöbnis, das sie erwarten, mitzuteilen. Auch meinen Eltern möchte ich die Freudenkunde nicht länger vorenthalten.«
»Aber sieh mal, Fritz,« versuchte sich das blühende Geschöpf zu entwinden, das die unwillkommene Einzwängung zwischen Beschränkung und Kleinbürgerlichkeit auf sich einrücken sah, wie die beiden Kneif-Enden einer riesigen Zange, »ich habe natürlich nichts dagegen – ich meinte nur – –«