»Ein großes Tier, Herr Leutnant, Ihr Besuch, mit roten Streifen an den Beinen und ein Verwandter dazu. Er hat es ausdrücklich angegeben. Nu, sehen Sie, habe ich gelogen? Da tritt Herr Nikolaus Adameit gerade aus Ihrem Zimmer. Gewaschen, gekämmt und in dem schwarzen Bratenrock. Hier oben kennt er mich nicht. Er kennt mich bloß unten im Keller. Aber es gibt mir doch ein Gefühl von Hochachtung, weil ich mitgeholfen hab'. Man ist doch nicht bloß wie Öl in der Kanne gewesen oder wie ein totes Rädchen. Nu, gute Nacht, Herr Leutnant, und wenn Sie Bedienung benötigen, Sie brauchen bloß zu klingeln. Ich pass' auf.«
Heftig riß Fritz Harder die Tür seines Zimmers auf. Und richtig, im Schein der kleinen weißen Porzellanlampe, die vor ihm auf dem ovalen Tisch brannte, saß der Erwartete, Geahnte auf dem grünen Plüschsofa. Spähend schob sich bei dem Geräusch der Tür das bartlose glatt rasierte Haupt zur Seite, und unter einem Büschel gänzlich unpreußischer grauer Locken nahmen ein paar versonnener blauer Augen plötzlich den Glanz einer warmen Freude an.
»Gottlob, daß ich dich noch treffe, mein lieber Junge,« sagte eine freundliche Stimme, während die hohe, breitschultrige und mannbare Figur sich langsam erhob; und dabei streckten sich dem Eintretenden feine weiße Gelehrtenhände entgegen. »Ich fürchtete, du könntest bei dem Trubel schon Gott weiß wohin abkommandiert sein. Deshalb ist es ein rechtes Glück, daß ich dich noch erreiche. Komm, Fritz, laß dich einmal anschauen.«
Die hohe Gestalt mit dem gütigen Gelehrtenhaupt stand jetzt dicht neben dem jungen Mann und begrüßte ihn durch einen leichten Schlag auf die Schulter.
»Onkel Siebel,« wollte Fritz erregt ausbrechen, denn eine unnennbare Erleichterung überkam ihn, als er unvermutet in dieser Wirrnis ein verwandtes Herz neben sich wußte, »Onkel Siebel, daß du gerade heute kommst! Du ahnst gar nicht, was – –«
»Doch,« unterbrach der alte Militär, die Augen ein wenig zukneifend, »doch, mein Junge. Du siehst nicht so aus, wie ich dich erwartete. Was ist das für eine kränkliche Blässe? Und wohin hast du dein frisches Jungenlächeln versteckt? Erinnerst du dich, deine liebe Mutter behauptete ja, du wärest immer anzusehen, als wenn du gerade etwas geschenkt erhalten hättest? Also was gibt's? Beklemmung vor der großen Weltkatastrophe?«
»Nein, Onkel.«
»Ärgernis, Zurücksetzung im Dienst?«
»Auch das nicht, obwohl –«