»Pfui Teufel, zwei beleuchtete Messer,« dachte der Fürst widerwillig.

Und seit dieser Erkenntnis hegte er nur den lebhaften Wunsch, die unwillkommene Gesellschafterin rasch von sich abzuschütteln. Ohne weitere Überlegung sagte er deshalb in seinem in Höflichkeit erstarrten Ton:

»Ich würde es mir nie verzeihen, Sie noch länger aufzuhalten. Gute Nacht.«

Auch Johanna verbeugte sich und wollte aus der halbangelehnten Eingangstür in die Dunkelheit herausschreiten, der Offizier jedoch vertrat ihr plötzlich den Weg.

»Gestatten Sie, daß ich noch eine Form erfülle. Mein Wachtmeister hier wird Sie auf Ihren Gängen zu Ihrem Schutz begleiten.«

»Ich bin also eine Gefangene?« stockte Johanna mit bitterem Lächeln.

»Wie gesagt, es geschieht nur zu Ihrer Sicherheit. Alles Nähere werden wir dann morgen erörtern. Bis dahin, gute Nacht, meine Gnädige, und nochmals verzeihen Sie die Störung Ihrer Ruhe.« Und achselzuckend setzte er hinzu: »Der Krieg ist leider ein Handwerk, das sehr gegen meinen Geschmack mit groben Mitteln arbeitet.«

Er verbeugte sich leicht, und Johanna bemerkte noch im Zurückblicken, wie die schlanke Gestalt in das bereits erleuchtete Zimmer schritt und achtlos ihren durchnäßten Mantel über einen Schaukelstuhl schleuderte. Dann entzündete der Fürst sich eine Zigarette und begann flüchtig in den auf dem Tisch herumliegenden deutschen Journalen zu blättern. Die weißen Dampfwolken umschwebten ein apollinisch geschnittenes Antlitz.


Die Älteste von Maritzken saß in ihrer leichten Kleidung wieder auf dem Bettrand, um mit Aufbietung aller Sinne jedem Geräusch nachzuspüren, das von Hof und Haus zu ihr heraufschlug. Und die Nacht verschärfte und verzerrte alle Töne, die sonst für die Lauschende keinen Sinn aufgewiesen hätten und schob ihnen eine schreckhafte Deutung unter. Bald quoll ein wüstes Ächzen und Fluchen durch die Dielen des Fußbodens empor, und Johannas aufgeregter Geist malte sich aus, wie der Rittmeister Sassin, nur durch ein paar dünne Planken von ihr getrennt, jetzt gewiß schon mit einem tobenden Wundfieber rang. Herrgott, die Frau ihres Verwalters Baumgartner war ja gezwungen worden, dort unten hilfreiche Hand zu leisten. Und hatte die notdürftig Bekleidete nicht auch ihr blutjunges Töchterchen bei sich gehabt? Wenn nun den Beiden von rohen Soldatenfäusten etwas Beschämendes widerführe!?