Der Russe hob das verschwommene gutmütige Haupt, und aus seinen verkniffenen blinzelnden Augen brach ein Strahl von Respekt und bedingungslosem Gehorsam. Einer solch imponierenden Frauengestalt, die so befehlend und deutlich ihre Wünsche durch ein Zeichen der Hand auszudrücken verstand, mußte der Slawe in seinem heimatlichen Garnisonsnest niemals begegnet sein. Demütig hob er die zerbeulte Mütze von seinem wilden Schopf, beugte sich und ließ klirrend das Gewehr auf den Steinen der Diele aufstampfen. Selbst der Hund kroch murrend unter die Stufe der Treppe.
»Ist Fürst Fergussow zu sprechen?« fragte die Blonde.
Verlegen wandte sich der Wachtposten hin und her. Sein Deutsch war so mangelhaft, daß er sich fast nur durch Zeichen zu verständigen vermochte. Deshalb hielt er das Bajonett auf den Hof hinaus und zeigte damit durch das Tor.
»Weit,« sagte er.
Johanna atmete auf, und doch ergriff sie ein leichter Schrecken.
»Ist der Fürst schon abgerückt?« drängte sie weiter.
Jetzt kraute sich der Wachtsoldat hinter den Ohren, und da seine Unfähigkeit, sich verständlich zu machen, immer mehr wuchs, so verlegte er sich völlig auf die den Slawen so geläufige Weise der pantomimischen Darstellung. Schallend warf er sein Gewehr an die Wange, nahm eine drohende Miene an und tat so, als ob er mit einem fernen Gegner Schüsse wechsle. Gleich darauf stach er mit dem Bajonett kräftig in die Luft, warf den Oberkörper vor und stampfte so schrecklich mit den Füßen, daß sein zottiger Hund unter dem Treppenabsatz furchtsam aufzuwinseln begann.
Johanna hatte begriffen. Sie faßte rasch nach dem Geländer der Treppe und warf hastig hin:
»Es findet also hier in der Nähe ein Treffen statt, nicht wahr? Ist Fürst Fergussow dabei?«
Der Russe nickte lebhaft und befriedigt.