Hedwig spielte immer ernster und gewaltiger. Alle Saiten brausten, wie ein Choral tönte es jetzt, das alte Lied.
Der Pächter schauerte, unwillkürlich fiel sein Blick auf einen einfachen Silberring, den er seiner sterbenden Mutter vom Finger gezogen und seitdem an der Uhrkette trug. Verstohlen küßte er den Reif und trat hinter Hedwigs Stuhl.
Und das Brausen und Donnern löste sich, der gewaltige Orgelton verlor sich in der Ferne, wie ein süßer, gestammelter Kindergruß klang es aus.
Noch spielte sie die letzten ersterbenden Töne, da fühlte sie, wie Wilms seine Hand auf ihr Haupt legte und leise ihr Haar streichelte. – Sachte, sachte, eine scheue, zaghafte Liebkosung.
Sofort brach das Spiel ab, aber sie hob die langen Wimpern nicht auf.
Noch einmal fuhr er ihr leicht über die Flechten, dann – ihr stockte das Herz – dann fühlte sie, wie er ihre Hand ergriff und sanft einen silbernen Ring an ihren Finger schob.
»Da, Heting,« sprach er weich, »du hast so schön gespielt – ich schenk’ ihn dir – er is von meiner Mutter.«
Sie zuckte krampfhaft zusammen, blickte mit ihren braunen, ernsten Augen zu ihm empor und wollte etwas erwidern, aber die Zunge war ihr wie gelähmt. Nur eine düsterrote Glut stieg ihr langsam über Hals und Wangen.
Da wurde plötzlich seine Hand, die noch liebkosend auf ihren Haaren ruhte, drückend und schwer, als ob sie sich in Eisen verwandele.
Hedwig hätte aufschreien mögen, so schmerzte es sie.