»Was ist dir, Schwager?«
Oh, es bedeutete nur eine Kleinigkeit, fast gar nichts; es war nur unheimlich, die hervorquillenden Augen zu sehen, die unverwandt auf das Bett starrten. Ganz zufällig war der Blick des Pächters über das reinlich zugedeckte Lager geglitten und da, – da wurde eben seine Hand so schwer, als würde sie Eisen.
In dem Bett lag Else, schattenhaft, abgemagert, blaß und streckte die Arme nach dem Manne aus, der ihre Schwester streichelte.
»Wilms,« rief Hedwig entsetzt und sprang auf. Ihre kräftige Stimme verscheuchte den Spuk.
»Ja, ja – Hedwig – willst du etwas?«
»Um Gottes willen, Schwager – was ist dir? – fühlst du dich krank?«
»Nein – ich? bewahre – mir war nur so – seltsam. – Ich glaubte – es ist lächerlich – mir kam es vor, als läge Else mit einemmal dort drüben in ihrem Bett,« murmelte er einfach, und doch mit hervorbrechendem inneren Entsetzen.
»Else?« stammelte das Mädchen.
Beide starrten sich an, beide versuchten ein Lächeln zu erzwingen, aber die Furcht schüttelte sie, wie wenn ein kaltes, graues Gespenst zwischen ihnen stände.
Das war das erstemal, daß es sie auseinander trieb.