»Licht – Licht.«
Mit zitternden Händen entzündete Hedwig die große Stehlampe und blickte sich um. Rings lag alles friedlich und still, alles in den traulichen Schein der Lampe getaucht. Jetzt lächelte Hedwig und setzte sich an den Tisch, aber es war ein müdes, herzzerreißendes Lächeln, und als das Mädchen den Reif an ihrem Finger fühlte, war es ihr, als ob er sie stäche.
»Weißes Silber bedeutet Tränen, sagen die Leute,« dachte sie.
Ermattet schritt sie wieder zum Klavier und ließ noch einmal die Finger über die Tasten eilen. Leise drangen die Töne durch das Haus, und Wilms, der oben in seinem Bett den Kopf gegen die Wand preßte und den Schlummer herbeiflehte – ihn umschmeichelte plötzlich die liebe, alte Melodie, das Lied, mit dem ihn seine Mutter schon eingesungen hatte:
»Schlaf, Kindchen, schlaf.«
Aber es hatte seine Zauberwirkung verloren. Er fand keine Ruhe mehr, sondern dachte unausgesetzt an das wunderbare, schöne Weib, dem er den Silberring geschenkt.
So endete der Weihnachtsabend in Wilmshus.