»Komm, Hedwig – willst du nicht mit in die Kirche?« fragte am nächsten Morgen der Pächter, indem er im Sonntagsrock, das Gesangbuch unter dem Arm, in das Wohnzimmer trat, in welchem Hedwig vor dem Fenster saß und las.
Die Gefragte blickte auf. Sie sah heute abgespannt und blaß aus, und auch der Pächter mißfiel ihr in seinem langen, schwarzen Gehrock. Die Tracht ließ ihn altfränkisch, kleinbürgerlich erscheinen. – Früher, in dem Pensionat würde Hedwig über eine solche Figur gelacht haben.
Was war nur aus ihr geworden?
»Guten Morgen, Hedwig, willst du mich nicht in die Kirche begleiten?« wiederholte der Landmann dringender. Ihm erschien der Kirchgang am ersten Feiertag als selbstverständlich.
Hedwig schwieg, drehte an dem Reif, den er ihr gestern geschenkt, und lehnte dann seine Aufforderung mit kurzen Worten ab.
»Du willst nicht?« stotterte Wilms, als wenn er es nicht glauben könne.
Das Mädchen tippte auf ihr Buch und schüttelte den Kopf. »Geh nur allein, Schwager. In der Kirche ist es mir zu voll. Die vielen Leute stören mich dort.«
»Stören dich?«
»Auch kann ich keine vorgeschriebenen Gebete absagen, weißt du, der Gott, an den ich glaube, der kümmert sich um das Singen gar nicht.«
Verständnislos, mit weitaufgerissenen Augen starrte sie der Pächter an. Eine tiefe Trauer zog allmählich über sein ehrliches Gesicht. – Sie war so schön, wenn sie so heftig sprach, der kleine volle Mund zuckte so trotzig dabei. Schwer seufzte der Landmann auf und erwiderte kleinlaut: