Und verödet blieb sie noch eine Weile. Hätte nicht eine unsichtbare Klingel bei Hedwigs Eintritt hell geläutet, die Krugwirte würden überhaupt nichts von ihrem Besuch erfahren haben.

So jedoch erschien nach einiger Zeit ein kleines blasses Weib, an deren Röcken sich zwei Kinder festklammerten, während es ein drittes, einen Säugling, auf dem Arm trug, und versprach, auf Hedwigs Wunsch, ein Glas Milch zu bringen.

Hedwig ließ sich an dem weißgescheuerten Tisch nieder, streifte sich die Handschuhe ab und sah durch das kleine pappgeflickte Fenster der Gaststube auf das blinkende Feld hinüber.

Draußen stand ihr Brauner, schüttelte sich und wieherte laut.

Das gab ihren Gedanken die Richtung.

»Am besten wär’s,« überlegte sie sich, »ich bestieg wieder den Schlitten, und dann rasch, weit fort von hier in die Stadt und von dort wieder weiter, viel weiter, wo ich nichts mehr höre von alledem, was ich hier zurückgelassen. O, es wäre so gut, wenn ich jetzt ginge, bevor – ja bevor irgend etwas Schlechtes sich ereignet. Denn kommen wird es. Ich weiß nicht weshalb, aber es ist alles so ungesund in Wilmshus, so ansteckend, ich wünschte, ich wäre nie dort eingekehrt. – Warum mir das heut wohl gerade einfällt?«

Sie stützte den Kopf in beide Hände und saß eine Zeitlang regungslos. Das eiserne Blech vor dem Ofen knackte und bog sich regelmäßig hin und her. Durch den Hausflur schallten streitende Stimmen hinein. Hinten auf dem Hof des Hauses schienen mehrere Männer miteinander zu sprechen.

Das Mädchen regte sich. Sie war also nicht allein hier? Auch brachte die Krugwirtin das Verlangte noch immer nicht. Sie wurde ungeduldig. Endlich erschien das blasse Weib wieder und stellte einen Seidel frische Milch vor ihrem Gast nieder. Hedwig erkundigte sich, ob sie noch andere Gäste beherberge.

»Nein, Fräulein, mein Mann hat bloß Besuch. Wir woll’n Pferd verkaufen.«

Damit ging sie wieder hinaus.