Hedwig wandte ihre großen, braunen Augen auf den hübschen Menschen. Ihr Blick war seltsam. Es schien, als wollte sie sein ganzes Wesen lesen. Und nach kurzer Frist sagte sie kurz und herb, jedoch mit zitternder Stimme:
»Treten Sie dort herunter, Herr von Brachwitz, ich muß Ihre Begleitung bestimmt ablehnen. – Ein für allemal.«
»Ein für allemal?« wiederholte er.
»Vorwärts!«
Wiederum hob sie die Peitsche, aber die Hand des Grafen legte sich sanft auf den Griff.
Hedwig fuhr zusammen und richtete sich schwer atmend auf.
»Liebes Fräulein,« bat er dringend, »ich bitte Sie – bitte Sie von Herzen – hören Sie mich doch nur ein paar Minuten an. Sie wissen ja gar nicht, wieviel mir daran liegt, mich vor Ihnen zu – – nun ja, zu rechtfertigen. Darf ich denn nicht, wenn Sie mich nicht bei sich im Schlitten dulden wollen, wenigstens nebenher gehen, natürlich nur so lange es Ihnen gefällt, langsam zu fahren? – Ich möchte doch gar zu gern Ihre Verzeihung erhalten, darf ich?«
Er ergriff die Zügel seines Pferdes, und da Hedwig nichts antwortete, so hielt er es für Zustimmung und schämte sich nicht, zu Fuß neben dem langsam gleitenden Schlitten herzuschreiten und sein Tier mit sich zu führen.
Hedwig selbst kam es wie eine Art Bußwanderung vor, als wenn der junge Mann, der sie so beleidigt hatte, sich allein demütigen wollte. Mit Interesse blickte sie auf ihn hin. In demselben Moment aber fiel ihr ein, wie heiß und wahnsinnig dieser fremde Mensch sie schon einmal geküßt hatte. Das empörte sie plötzlich wieder so ungestüm, daß sie der Szene ein Ende zu machen beschloß.
»Was wollen Sie also von mir?« forschte sie hart.