Else erschrak. Was meinte der Taube damit? Ohne Überlegung, mit jähem Erröten fragte sie ihn, warum er ihre Schwester denn beleidigt hätte?
»Ick?« flüsterte der Alte und hob das Kinn. Dann raffte er sich auf und keuchte der Wartenden etwas ins Ohr.
Ein paar Worte nur, aber Else taumelte zurück und wurde schneeweiß. Nur ein paar helle, rote Flecken glühten auf ihren Wangen.
»Du lügst, Krischan,« schrie sie auf. »Das ist nicht wahr.«
Allein der Greis verstand das unglückliche Weib nicht, oder ließ sich nicht stören. Denn von neuem streichelte er mit seiner Knochenhand über ihren Arm und brachte mit Anstrengung hervor:
»Arm’ Fru – ne, ne, ick heww’s sülwst seihn, as sei tausamen in’n Schlidden seten hewwen. De beiden täuben [Fußnote: warten] nu all ungedüllig.«
»Warten?« stöhnte die Ärmste schwach. Alles drehte sich vor ihr. Sie mußte sich an die Mauer der Einfahrt lehnen.
»Dat Sei, min arm’ Fru, starwen süllen. Se luren all up den Dod von de Fru. Dann willen sei sick friegen.«
Ein herzzerreißender Schrei, schrill, kreischend gellte über die Landstraße und wurde von den Mauern des Pachthauses zurückgeworfen.
Die Gepeinigte glaubte zu ersticken, eine eisige Hand griff nach ihrer Kehle, das Gesicht des Krüppels tanzte wie hundert Fratzen um sie herum. Noch gurgelte sie etwas.