In demselben Moment betrat Wilms das Zimmer.
X.
Ein sanfter Maientag ging zur Rüste.
Am Horizont lösten sich prachtvolle Farben ab. Ein Spiel von Gelb, Tiefblau und Rot wogte durcheinander, und durch die Äste der Fliederlaube fielen die letzten rötlichen Lichter. Ein leises Lüftchen wehte durch den Garten, sonst atmete alles Beruhigung und Abendstille.
Aber zu dieser friedlichen Umgebung paßte schlecht die wilde Bewegung, die in dem Pachthause ausgebrochen war.
Scheu und lautlos wie früher schlichen Knechte und Mägde umher, die Türangeln wurden eingeölt, damit sie die Kranke nicht durch Knarren störten, alles im Hause hüllte sich wieder in Schweigen, eine dumpfe, düstere Feierlichkeit drückte abermals auf Menschen und Gehöft herab.
Am Abend war der Kreisphysikus eingetroffen und weilte jetzt allein in dem großen Wohnzimmer. Immer stiller wurde es im Haus, nur zuweilen hörte man einen schrillen Wehruf aus der Krankenstube.
In der Fliederlaube aber saßen zwei schweigsame Menschen, die fuhren zusammen, wenn solch ein klagender Laut heraustönte, und hielten den Atem an, ob er sich nicht wiederhole.