Der Pächter starrte sie an – verständnislos – und faßte sich an den Kopf.

Noch wußte der Hofpächter ja nicht, was sich heute morgen zwischen den beiden Schwestern abgespielt hatte. Schweigend hatte Hedwig alles in sich verschlossen; der zartfühlende, weichherzige Mann brauchte es ja nicht zu erfahren, daß sie entdeckt seien, daß ihre heimliche Sehnsucht, die sich noch niemals geäußert, die noch Wunsch war ohne Erfüllung, daß diese bereits belauert und verflucht sei von der Scheidenden, die sie nun bald nicht mehr stören würde.

Alles wollte sie kalt und stolz von ihm fernhalten, um selbst zu harren und zu lauern, bis die Erlösung endlich da wäre – der Anfang des Glücks.

Aber jetzt – jetzt, wenn die wilden Wehlaute herausdrangen bis in den stillen Garten, dann ertrug sie es nicht. Dann schreckte sie zusammen und zitterte. Wie Eis lag es ihr ums Herz. War sie wirklich schuld, daß ein Menschenleben dort drinnen scheiden mußte? Hatte sie wirklich eine Verzweifelte in den Tod getrieben?

Wieder schlug ein Schmerzensschrei an ihr Ohr.

Das überwältigte sie, dem war sie nicht gewachsen, alles schrie in ihr nach Trost – Ruhe – Verzeihung.

Ein Wort der Liebe entbehrte sie, ein einziges Wort von dem Manne, dem sie ihre Jugend schenken wollte, dem sie sich hingeben wollte, bedingungslos, jetzt, wo es auch immer sei, weil er sie mit seiner dumpfen Hilflosigkeit von Anfang an betört hatte.

Aber der Pächter saß verstört da und regte sich nicht.

Da ließ Hedwig mutlos die Hände in den Schoß sinken und verzweifelt murmelte sie:

»Ich wünschte, ich wäre es, die sich zur ewigen Ruhe legen könnte, und bei euch bliebe alles beim alten. – Ich stürbe so gern.«