Aber der Tod hatte noch keine Gewalt über sie, das Leben schlug vielmehr brausend über ihr zusammen.

Wilms packte krampfhaft ihre Hand: »Du – Heting?« stammelte er, »nein, nein – nur nicht du – das könnt’ ich nicht ertragen – nur du nicht – wir wollen ja zusammen bleiben.« Er umklammerte sie und drückte sie an sich.

Und dann war es plötzlich da, was sich seit Monden näher und näher geschlichen hatte.

Ohne Übergang fühlte sie seine zuckenden Lippen auf den ihren, sie schlang ihre Arme um den gewaltigen Nacken des Mannes und unter schmerzhaften Küssen merkte sie, wie seine Tränen ihr Gesicht netzten. Auch sie schluchzte. Als ob sie sich trösten wollten, lagen sie einander in den Armen.

Es war kein freudiges Finden.

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In dem weiten, ungemütlichen Wohnzimmer war es inzwischen stiller geworden. Der dicke Kreisphysikus hatte seine Untersuchung beendet und die Schwerleidende schonend befragt, durch was sie denn so plötzlich in Erregung versetzt worden wäre. Lange hatte das matte Weib seinem Drängen widerstanden, endlich jedoch, als der alte Herr sie gar so väterlich und gut in die Arme nahm, faßte sie sich ein Herz, und wie ein kleines Kind an den alten Freund geschmiegt, flüsterte sie ihm stockend und weinend ihre entsetzliche Entdeckung zu.

»O, Gott, das hätt’ ich nicht geglaubt – aber es ist wahr, Herr Doktor, Krischan hat es selbst gesehen.«

Der alte Arzt schüttelte den Kopf und redete ihr aus voller Überzeugung solche Vermutungen aus. »Ach, Unsinn – mein Kinding – Gesindegeklätsch.«

»Wirklich?« hauchte sie schwach. Aus ihren Augen brach ein Hoffnungsstrahl.