»Ja, sie kann noch sehr lange leiden,« gab er halblaut zurück, »und deshalb – Heting, ich glaube, es wäre gut, wenn du jetzt dauernd von hier fortgingst.«

»Ich?« Sie erschrak; – wußte er schon etwas?

»Der Aufenthalt hier ist dir nicht gut bekommen. Du kamst hier als eine Dame an, und – ich weiß nicht, aber du hast hier draußen etwas Hartes, Bäuerisches angenommen, und – es wäre wirklich für alle gut, verstehst du,« brach er ab, »wenn du zu deinem Vater zurückgingst.«

Keine Antwort.

Starr und groß blickte das Mädchen durch die Dunkelheit zu dem alten Freunde hinüber. Es war ihr zumute, als sollte sie ihm jetzt um den Hals stürzen, um ihm all ihre peinigenden Gedanken, die gierig um den Tod der eigenen Schwester herumflatterten, zu beichten und anzuvertrauen. Aber noch war ihre Kraft nicht erschöpft.

Sie faßte sich und gab dem Doktor ruhig zur Antwort: »Es ist vor allen Dingen meine Pflicht, hierzubleiben, solange Else mich nötig hat. – Ich danke Ihnen aber für Ihren Ratschlag,« setzte sie beklommen hinzu, während sie schon durch den Flur schritten.

»Es war gut gemeint,« sprach der kleine Physikus nachdrücklich.

Die Ansicht über die Unschuld des Mädchens stand nicht mehr so felsenfest bei ihm. Er maß seine Begleiterin mit einem mißtrauischen Blick.

Sie traten ein.

An dem Bette der Kranken saß Wilms, das Haupt mit den kurzgeschorenen blonden Haaren tief auf die Brust gesenkt. Er hob es auch nicht, als er den Schritt des Mädchens hörte. Seine große Hand ruhte in der seines Weibes.