»Was du tun sollst?« fragte der alte Herr und legte die beiden Hände des jungen, fiebernden Geschöpfes in die seinen. »Heting, mein Kind, ich hab’ dich lieb und habe Wilms lieb, und deshalb sag’ ich, du mußt fort.«
Sie starrte ihn mit ihren großen, braunen Augen an, und der Physikus fühlte an ihren Händen, wie das Blut in den Adern hämmerte und schoß.
»Still, Kind, still,« sagte er, »du willst ihn doch nicht zugrunde richten, und sieh, so oft er dich anblickt, immer wird er in dir die Ursache sehen, die die Verstorbene in den Tod getrieben. – Nein, nein, mein Kind, bleib ruhig, ich weiß ja, du liebst ihn sehr, aber eben deshalb, Heting, bitt’ ich dich, befrei’ den armen Kerl von all’ den bösen Erinnerungen. Glaub mir, so lange du hier bleibst, bleibt auch die Tote bei ihm. – Nicht wahr, das hast du doch selbst schon bemerkt?«
Hedwig senkte das Haupt, aber sie nickte leise. Dann sah sie mit sehnsüchtigem Blick auf den blühenden Garten hinaus, auf die anstoßende, saftige Wiese, auf die fernen Äcker, auf denen sonnendurchleuchteter Staub dahinzog.
Überall hatte sie hier gewirkt und geschafft. Ordnung und Wohlstand hatte sie zurückgezwungen. Das hatte die Tote doch nicht vermocht.
Unter ihren Tränen zog ein trotziges Lächeln über das blasse Gesicht.
»Nun, Heting,« fragte der Physikus und stand auf: »Weißt du nun, was du zu tun hast?«
Sie nahm noch immer das Bild der blühenden Felder in sich auf, mit bebender Brust sog sie die frische Landluft in sich ein. Ja, sie hatte alles für eine glückliche Zukunft vorbereitet, aber einwandern sollte sie nicht in das gelobte Land.
»Heting?« fragte der Arzt dringender.
»Sehen Sie, Herr Doktor,« rief das Mädchen, indem sie mit der Hand nach dem schönen Gut zeigte: »Diese Saat habe ich bestellt, sehen Sie dort drüben die grünen Halme? Aber ernten mag sie ein anderer,« flüsterte sie mit erstickter Stimme.