Er nickte und hockte und das Herz drückte ihm etwas weh und wund.
»Ob sie sich wohl gewehrt hat?« dachte er müde.
Ein Ächzen seines Weibes schob sich dazwischen. Er beugte sich leise zu ihr hinüber und fuhr ihr beruhigend mit seiner groben Hand über Wange und Hals.
Und dabei irrten seine Gedanken wieder zu dem jungen Geschöpf, das dort oben unter dem Dach schlummerte, ebenso wie hier sein Weib, und das sich vielleicht sehnte und verlangend die weißen Arme nach dem Verführer ausstreckte.
Halb betäubt vor Müdigkeit sank sein mächtiges Haupt endlich schwer auf die Kissen, so daß Else davon erwachte und zärtlich ihre Arme um seinen Nacken schlang.
Und mit irrer Sehnsucht und verlöschendem Bewußtsein preßte er seine Lippen auf den abgezehrten Arm der Bedauernswerten und stöhnte in verzweifelter Seelenqual tief und markerschütternd auf.
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Aber als die Wünsche des unglücklichen Mannes scheu in das Dachkämmerchen drangen, wo er das schönere jüngere Weib auf seinem Lager ruhend vermutete, da hatte er recht geahnt, beinahe wie wenn sein geistiges Auge die Mauern hätte durchdringen können.
Da lag sie, vor Lebensglut und Herzensangst zitternd, und streckte die weißen Arme aus. Aber nicht nach dem Verführer, nein, nach etwas anderem, Unbekannten, das sie nicht nennen konnte.
Der Schlaf wollte sich nicht einstellen, unruhig, schauernd, sich selbst unerklärlich, warf sie sich herum, stützte den Kopf in die weichen Hände und schaute regungslos durch das kleine Fensterchen zum Sternenhimmel empor. Über das Strohdach, dicht über ihr säuselte der Nachtwind. Sie hörte das heimliche Geräusch, wenn er mit den losen Halmen spielte, und ihr war es, als schlüge wieder die heiße, glühende Stimme des jungen, frechen Edelmannes an ihr Ohr. Ihre Brust ging auf und ab. Und da – da stieg es wieder herauf – da sah sie von neuem das ganze Bild jener unseligen Stunde vor sich, deren Einzelheiten sie vorhin ihrer Schwester so sorglich verborgen hatte.