»Ja, ja,« sprach der Landmann nachdenklich vor sich hin, »meine arme Frau konnte den Geruch nicht vertragen, er verursachte ihr Hustenreiz und ich – –« kam es unwillkürlich heraus, »hab’ ihn dabei so gern.«

»Lieber Freund, man muß sich eben fügen,« paffte der kleine Pastor und nahm einen Schluck Kaffee, »ja, muß sich fügen. Darin besteht schließlich unser ganzes Christentum. – Was ich sagen wollte – – Ihre liebe Frau – – – Sie bangen sich doch wohl schon sehr nach ihr?«

Wilms nickte und rauchte in langen Zügen weiter.

Ja, es fehlte ihm etwas, er sehnte sich nach irgend etwas, sein Haus erschien ihm jetzt oft so leer und freudlos, und dennoch zog sich sein Herz vor Furcht zusammen, wenn er an Elses Rückkehr dachte. Sein jetziges einsames Dasein schien ihm dann erträglicher. Wenn er nur dieses schmerzliche Sehnsuchtsgefühl aus seiner Brust hätte verbannen können. Es galt ja doch bloß seinem Weibe. Nur ihr.

»Freilich, solch ewiges Leid,« murmelte der kleine Pastor mit seiner dünnen Stimme weiter, »das schließt die Menschen wie mit eisernen Ketten aneinander, nicht wahr?«

»Ewiges – Leid,« wiederholte der andere mechanisch und blickte starr auf das Bett hinüber. »Ja, Sie haben recht, Herr Pastor.« Eine Zeitlang schwiegen die beiden Freunde und hingen ihren Gedanken nach.

Die Pfeifen glimmten, draußen fiel Schnee, es war behaglich warm im Zimmer.

So merkten sie nicht, daß sich inzwischen die Tür leise geöffnet und der dicke Kreisphysikus Dr. Rumpf unbemerkt hereingetreten war. In seinem Pelz, in Pelzmütze und derben Wasserstiefeln sah er wie ein borstiges Ungeheuer aus. »’n Abend, Kindtings, ’n Abend,« ächzte er.

Kaum hatte Wilms seinen muntern Gast erfreut seiner zottigen Hüllen beraubt, so warf sich der Physikus pustend neben dem Pastor auf einen Lehnstuhl nieder, nahm dem Geistlichen einfach die Tasse weg, trank dann mehrere Schalen des heißen Getränks und schien endlich erwärmt zu sein.

»Verdammter Frost,« schnaufte er zuletzt und schlug sich befriedigt auf seinen Kugelbauch. »Komme hier bloß ’raus, Wilms, um Ihnen zu erzählen, daß ich einen Brief vom Anstaltsarzt in Inowrazlaw erhalten habe.«