Länger konnte er sich nicht mehr bändigen.
»Sagen Sie mal, wie machen Sie das eigentlich?«
»Wie ich das mache, Herr Konsul? Ich verstehe nicht recht.«
Um Brunos frische Lippen zuckte ein Lächeln. Hollander verzog die Stirn.
»Mir ist ganz ernsthaft zumute. Ich meine, wie alt sind Sie denn nun eigentlich mit der Wurzel?«
»Vierundzwanzig, Herr Konsul.«
»Nicht zu glauben — also ganze vierundzwanzig — So!? — Kuck mal an! Ja, hat sich denn im Ernst die Welt so verjüngt, oder sind Sie wirklich der Ausnahmemensch, für den Sie sich ja, wie ich Ihnen früher immer gesagt habe, heimlich halten?«
Bruno blieb ruhig sitzen, während der Konsul mit flatternden Hosenbändchen in der Stube auf und nieder schlurfte. Und doch färbten sich die Wangen des jungen Mannes glühend rot, seine Augen erhielten förmlich einen fieberischen Glanz, denn jetzt äußerte endlich, endlich, der grobe, massive Mann dort offen und ehrlich, was während Brunos langer Lehrzeit stets wie eine kalte Wolke zwischen ihnen gelagert hatte. Dieses stille, heimliche, lauernde Mißtrauen, das sich vergrößerte, je schneller und überraschender sich die spielende Tüchtigkeit des Lehrlings entfaltete, je mehr ihn die anderen Angestellten bewunderten und anstaunten. Aber warum? Warum? Das konnte sich Bruno, den es stets mit Gier, mit Unabwendbarkeit vorwärts gezogen, auch heute nicht entschleiern.
Glühend rot überzog es seine Wangen, mit zitternder Stimme und lächelndem Munde sagte er: »Herr Konsul, Sie sagen mir das in der ersten Stunde meiner Heimkehr von dem Posten, auf den Sie mich selbst gestellt. Ich muß also annehmen, daß ich niemals Ihre volle Zufriedenheit besessen habe und sie auch heute noch nicht besitze.«