Mit vollem Feuer, mit blitzenden Augen sprang er auf, und lauter und kräftiger, als wohl je ein Angestellter dem alten Hollander eine Antwort zu erteilen gewagt, rief er mit heißer, zorniger Stimme: »Ja, Herr Konsul, da wir nun einmal so weit halten, so sind mir die möglichen Folgen auch gleichgültig. Jetzt sollen Sie es wenigstens erfahren. Ja, die besten Jahre meiner Entwicklung haben Sie mir verbittert. Sie allein. — Nie ein Wort der Anerkennung, immer dieses Herumspähen, als hätte ich keinen anderen Gedanken, als gelegentlich einmal Ihre Kasse auszuplündern — — —«

»Klüth,« rief der Alte dazwischen, doch der andere achtete nicht darauf.

»Ich kann Ihnen nur sagen: daß ich darüber nicht wirklich schlecht, nachlässig und ein Duckmäuser geworden« — hier erhob sich die Stimme des Heimgekehrten höher, und er trat heftig einen Schritt auf den Werftbesitzer zu, der unbeweglich, mit vorgebeugtem Haupt vor ihm verharrte, »daß ich darüber nicht wirklich ein Duckmäuser geworden, wahrhaftig, das habe ich einzig und allein meiner von Ihnen so geschmähten guten Laune zu verdanken. Sie aber, Sie haben alles getan, um diese Fröhlichkeit zu unterdrücken. Oder glauben Sie, es wäre mir leicht gefallen, wenn Sie mich die ganze Zeit über, die ich in Ihrem Hause lebte, wie einen lästigen Freiesser in meinem Stübchen im Hinterhaus sitzen ließen, während die meisten meiner Kollegen zu den großen und kleinen Festlichkeiten in Ihrer Familie hinzugezogen wurden? Wie oft hab' ich Tanzmusik gehört und hab' allein gesessen. Das hat mich heiße Tränen gekostet. Heute können Sie es erfahren. Das vergaß ich Ihnen nicht, Herr Konsul.«

Die Stimme des Aufgeregten zitterte, seine Brust hob und senkte sich, und der Prinzipal konnte wahrnehmen, wie Tränen in seinen Augen aufstiegen.

Der Alte knurrte etwas, das wie »Dummheiten« klang, doch man sah, daß er noch mehr hören wollte. Eine Weile herrschte Ruhe in dem kleinen Raum. Beide musterten sich. Endlich hob der Werftbesitzer schief das Ohr, plinkerte mit den Augen und fragte scharf und halb spöttisch: »Na, und was nun weiter?«

»Was weiter? — Oh, mir bleibt nur die Frage: ob Sie mir jetzt den Grund angeben wollen, warum Sie mir den Prokuristenposten, der mir gebührt, vorenthalten? Oder ob es nicht überhaupt besser wäre, wenn wir diesem unleidlichen Verhältnis lieber gleich ein Ende bereiteten?«

Der Konsul zog die Augenbrauen in die Höhe: »Sie wollen gehn?«

»Ja.«

»Hm!«

Er wandte sich, zog mit den schlängelnden Hosenbändchen zum Fenster und kehrte ihm dort den Rücken. Leise trommelte er an die Scheiben. Nicht lange, dann hörte er hinter sich ein seltsames Geräusch, ein tiefes Atmen, ein Schlucken, schließlich ein gewaltsam gebändigtes Schluchzen. Überrascht kehrte sich Hollander zu seinem Besuch zurück. Doch wenn er die aufflammende Natur seines Lehrlings, die ebenso leicht zu unmäßigen Ausbrüchen der Freude, wie zu wild hervorbrechenden Klagen neigte, nicht von früher gekannt hätte, so würde er nur an den bebenden Lippen Brunos erraten haben, was durch die Seele des jungen Mannes stürmte.