Denn äußerlich stand die feine Gestalt unverändert da, nur die braunen Augen flammten noch, wie vorher, vor innerer Erregung.
Wieder verzog der Alte die Stirn. Dann ging er langsam auf seinen Besuch zu, und wie in fernen Gedanken nahm er den Jüngeren an einem Rockknopf, an dem er ihn während des Folgenden energisch hin und her zupfte: »Na, nun wollen wir's gut sein lassen, Klüth, nun beruhigen Sie sich man vorläufig, Sie — verstehen Sie?« — Und während er ihn noch energischer bewegte, fuhr er brummig fort: »Daß Sie heute mal ausnahmsweise nicht lauter Zucker und Sirup von sich gegeben, daß Sie mir sogar ordentlich Grobheiten ins Gesicht geworfen haben, na, nehmens mir nicht übel, junger Herr, das hat mir bis jetzt am allerbesten von Ihnen gefallen! — Wahrhaftig! — Vielleicht, na, hm — bloß das Pistol auf die Brust setzen kann ich nun mal nicht leiden. Nun passen Sie auf. Ich sag' Ihnen die Prokura nicht ab — nur Zeit zum Überlegen will ich haben. Verstanden? Das muß ich. Zwingen lasse ich mich nicht.«
Ohne eine Antwort abzuwarten, schritt er wieder an das Fenster, um von neuem an die gefrorenen Scheiben zu pochen. Er schien mit sich zu kämpfen, dann fiel es noch so über seine Lippen, seine Tochter Dina würde heute abend ein paar Bekannte zum Tee bei sich sehen, und daß es ihn, den Konsul, freuen würde, wenn Bruno sich dazu einstellen möchte. Fräulein Dewitz und das kleine Ding, wie heißt sie noch? —
»Line.«
Jawohl, die wären auch da. Auch der ältere Bruder von Bruno, der Predigtamtskandidat.
»Na, kommen Sie nun?« fuhr der Werftbesitzer plötzlich auf, als sein Angestellter noch immer schwieg.
Da bewegte sich der Angeredete und fragte mit fester Stimme, wann er das Definitive über seine Stellung hören würde.
Diese Zähigkeit, dieses kaufmännische Festhalten schienen dem Konsul zu imponieren. Mehrmals nickte er nachsinnend mit dem Kopf, dann schlurfte er auf Bruno zu und klopfte ihm eifrig auf den Arm: »Na gut — sehr schön — sich nicht durch Nebendinge aufhalten lassen — ganz richtig. In vierzehn Tagen bescheide ich Sie. Aber nun machen Sie auch, daß Sie fortkommen, Klüth, ich will nun doch in meine Büxen hinein! — Morjen, ja, ja, schon gut — hol' Sie der Deuwel, Adieu!«