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In einem kleinen Stübchen in der Rakowerstraße bei der Drechslermeisterswitwe Wilhelmi wurde gleichfalls über die Einladung zum Konsul Hollander nachgedacht. Da stand der älteste Sohn der Klüths, der Predigtamtskandidat Paul, an dem Fenster und blickte auf die enge, krumme Gasse hinaus.

Draußen schwarzgraue Dämmerung, Schneegewimmel, kein Fußtritt hörbar, nur manchmal tickten härtere Flocken gegen die Scheiben, und vom Fluß stöhnte einmal ein Windzug herauf.

Hinter dem hageren Manne mit den verarbeiteten Zügen saß bei einer einfachen Stehlampe ein elfjähriger Junge am Tisch und schrieb mit kritzelnder Feder emsig aus einem Buch etwas ab. Das war einer der vielen Schüler des Theologen, deren Beaufsichtigung ihm das kärgliche Brot für seine Existenz gewährt hatte.

Jahraus, jahrein immer dasselbe. Es war kein Wunder, daß Paul nicht fröhlicher und umgänglicher bei dieser Lebensweise geworden.

An der Wand raschelte etwas an der Kuckucksuhr. Der hölzerne Vogel sprang heraus und rief seinen fröhlichen Ruf: Sechs Uhr.

Um neun war der junge Geistliche zum Konsul gebeten.

Paul verzog die Stirn.

War es nicht seltsam, daß er erst dort mit seinem zurückgekehrten Bruder zusammentreffen sollte? Daß es nicht Bruno, den einzigen, der ihm aus seiner Familie an Bildung nahestand, vorher allein, vertraulich und brüderlich zu ihm gezogen?