Während des ganzen Abends empfand er nur eine einzige Unbehaglichkeit, die er gern bannen wollte, und die ihn doch immer wieder zu neuen Versuchen zwang.
»Schade,« äußerte Tante Mathilde, die gerade wieder mit kleinen Mokkatassen hereintrippelte, »ich hätte den amerikanischen Gassenhauer ganz gern einmal gehört. Denn, nicht wahr, in der Familie schadet das doch nichts, liebes Fräulein Dewitz?«
»Wenn Sie gestatten, dann möchte ich Ihnen gern die Melodie vorspielen,« erbot sich unerwartet Bruno, während er der Tante eine leichte Verbeugung machte, jedoch gleichzeitig halb ängstlich wieder auf die Tochter seines Chefs blicken mußte.
Man war allgemein erstaunt. Der Theologe, der in einem unmodernen, schwarzen Rock unter der Gardine des Fensters lehnte, rückte besorgt hin und her. Von musikalischen Fähigkeiten seines Bruders hatte er bis dahin nichts gewußt.
»Spielen Sie denn?« fragte Tante Mathilde nicht unfreundlich.
»Ja — ein wenig nach dem Gehör.«
»Sieh — sieh,« meinte der Konsul, der einen Augenblick durch die Tür lugte. »Das ist ja interessant.« Er winkte seiner Tochter jovial mit der Hand zu und ließ sich wieder bei seinem Jugendfreund nieder, von wo die beiden Alten trotz eifrigen Rauchens aufmerksam auf das Folgende zu lauschen schienen.
Und Bruno löste seine Aufgabe meisterhaft.
Ein frischer, fröhlicher Klang quoll unter seinen Fingern hervor, seine Hände flogen, voll und melodiös, mit rauschender Begleitung, tönte der pikante Gassenhauer durch das Zimmer.
»Yankee doodle went to town.«