Da teilte sich allen die innere Fröhlichkeit mit. Selbst Dina wandte sich langsam und blickte den Spielenden erstaunt an; und der kleine Funke, der ihr Auge vorüberhuschend durchblitzte, feuerte Bruno an, noch mehr zu wagen.

Oh, er mußte diese schweigende Abneigung, die hier gegen ihn wirkte, endlich besiegen, er war doch ein Kind des Glücks, ihm flogen ja sonst die Herzen zu, und hier sollte — — — er begann plötzlich mit seiner hellen Stimme den Text des Liedes zu singen.

»Oh, wie nett,« flüsterte Tante Mathilde, wobei sie Fräulein Dewitz bezeichnend auf die Schulter tippte; auch der Konsul erschien wieder an der Tür, scheuerte sich ein wenig am Kinn und kehrte darauf von neuem zu dem Steuerrat zurück; Dina aber öffnete leise den Mund, und an ihrem flüchtigen Lächeln erkannte Bruno, daß er der Schweigsamen jetzt besser gefalle.

Weiter — weiter, er mußte sich hier Sympathien erringen. Das Gefühl verließ ihn nicht mehr, als ob er um sein ganzes ferneres Leben kämpfe.

Line saß hinter dem Fauteuil der Handarbeitslehrerin und hatte ihr feines Köpfchen so vorgebeugt, daß ihr Kinn fast auf der Lehne des Sessels ruhte. Durch das enge, schwarze Kleid hindurch hätte Bruno, wenn er einen Blick für sie gehabt, das rasche Atmen der jungen Brust wahrnehmen, er hätte schauen können, wie feucht ihre Augen schimmerten, und wie dennoch die kleinen, schmalen Füße, unbewußt einem mächtigen Trieb folgend, nach seiner Melodie auf und nieder zuckten.

Allein Bruno war von seiner eigenen Erregung bereits hingerissen, und nur der Theologe, der noch immer, halb von der Gardine verborgen, schweigend verharrte, beobachtete es allein, und er sah auch, welch ein schneller, dunkler Blick aus diesen Augen gegen die Tochter des Hauses züngelte, die immer ahnungsloser und erfreuter vor sich hin lächelte.

* * *

Im Herrenzimmer beugte sich der Konsul zu seinem Jugendfreund heran und raunte ihm etwas ins Ohr.