VII

»N'abend auch,« wünschte oll Kusemann, als er mit einem höflichen Schwung seines rechten Beines an einem der folgenden kalten Winterabende in die ziegelsteingepflasterte Küche der Klüths trat.

Draußen heulte der Schneesturm und drückte eine Wolke von Kienrauch herab.

Um den Herd, auf dem unter einem Messingkessel ein kräftiges Holzfeuer fauchte, saß die Familie Klüth und flickte eifrig an blauseidenen Stellnetzen herum, die eine ganz besondere Aufmerksamkeit verlangten.

Mudding war viel älter geworden. Ihre Haare hatten sich vermindert und silberweiß gefärbt. Unter ihren Füßen brauchte sie jetzt einen Hüker, denn Muddings Beine schwollen abendlich an und bereiteten ihr Schmerzen.

Siebenbrod dagegen hatte seine Hagerkeit abgelegt. Als Hausbesitzer war er voll und rund geworden; nur seine Hakennase in ihrer roten Pracht erinnerte noch an die Vergangenheit.

»N'abend auch,« wünschte oll Kusemann, während er etwas weiter in die düstere, halberleuchtete Küche hinkte, an deren Ziegelsteinwänden merkwürdig rote Schatten hinaufkletterten. »Ich soll hier auch einen schönen Gruß bestellen.«

Der Lügenlotse zog dabei die Augenbrauen in die Höhe und pfiff, wie wenn er den hohen Rang seines Auftraggebers andeuten wolle. Dann schüttelte er von seinem Lotsenmantel eine dicke Lage Schnee ab und ließ sich prustend und ohne eine Einladung abzuwarten auf einen Schemel nieder.

Eine Weile blieb es ruhig in dem roten Raum. Man hörte das Holz unter dem Kessel platzen und vernahm das Geklapper der Netznadeln.

Oll Kusemann sah verwundert von einem zum andern. Da aber alle still bei ihrer Arbeit blieben, zog er einen Tonstummel aus dem Mantel, klopfte die Pfeife vorsichtig an dem Schemel aus, stopfte neuen Tabak, den er frei aus der Tasche zog, hinein und begann recht zufrieden zu schmauchen.