»Ja, Hann, kannst mir's glauben, das is seine nobelste Bestimmung.«

Der Angeredete nahm einen kleinen Blasebalg und blies damit in das ersterbende Feuer hinein. Düsterrot zuckte es in der Küche auf.

Dann starrte er von neuem auf die aufspringenden Funken.

»Ich glaub', du hast recht, oll Kusemann,« fing er geheimnisvoll an. »Menschen müssen sein, die dürfen nicht aussterben. Kuck, als ich neulich so in der Kirch' saß und wie ich all die vielen Beter da drinnen so gebückt sitzen sah, da fiel mir das mit einmal ein. — Da dacht' ich, wenn die Menschens nich wären, dann wär' am Ende auch der liebe Gott nicht da. Und all das andere Schöne wär' auch nicht da.«

Allein den Lotsen schien dies feierliche Gespräch ernstlich zu langweilen. Mit lautem Ruf forderte er Grog, und nachdem er mit Genuß genippt, bemerkte er schlürfend: »Hann, weißt was? — Pastor Witt sagt, du bist ein — Phi — —«

» — losoph,« ergänzte Hann, »ja, ich weiß.«

»Na, und wenn sich das so verhält, wie du sagst, denn müssen also ümmer mehr Menschens auf die Welt kommen, das is klar, damit der liebe Gott nicht ausstirbt, sondern recht lange bei uns bleibt — und deshalb, mein' ich, Hann — prost Hann — sehr fein, dein Rum — wie is das nu mit eine Braut? Wie? — Na, wozu sitzt du als Trumpfas und duckst dich unter den Kessel? Eine muß doch hier sein, die en bißchen weinen tut, wenn du zu die Karolinen gehst — oder zu die Mohren? Und auf die kleine Line rechnest du doch woll nicht mehr? Jung, das wäre ja genau so, wie ich vorhin sagte: Die Kaiserin Katharina und ein Kosak mit Flöh'. — Und das willst du doch nicht sein? Na, prost Hann.«

Da schlug draußen auf dem verschneiten Hof der Hund an.

Erst ein wildes Bellen, dann ein kurzes Kläffen, wie wenn er einen bekannten Tritt spüre. Darauf hörte man deutlich das Rasseln der Kette, als das Tier beruhigt wieder in seine Hütte zurückkroch.

»Da kommt wer,« meldete Hann.