Draußen war es noch hell.

Vom Kirchturm schlug es gerade drei, als sie sich nebeneinander auf den Weg machten.

Nichts gleicht der Feiertagsruhe eines Ostseedorfes um die Winterzeit, wenn die Sonne im blauen Luftmeer bereits blasser wird, und der Wind auf den silberblitzenden, niedrigen Dächern eingeschlafen scheint. Eine wohlige Ruhe und Stille überall. — Man hört die Schneeflocke fallen, die sich zuweilen von einer vorspringenden Schindel löst.

Als die drei in die einzige Gasse einbogen, die auf beiden Seiten von kleinen Fischerkaten besetzt ist und, lang verlaufend, bis zum Kirchhof führt, berührte Hann den Arm seines Bruders.

»Hör',« fragte er wichtig, »willst du vielleicht Vatings Grab sehen?«

Dar war doch nun wieder ein ganz dummer Einfall des Tölpels. Verstimmt blieb Bruno stehen und blickte voll Verlegenheit zu Line hinüber, die Hann mit ganz erschrockenen Augen maß: — Jetzt — an diesem einzigen freien Nachmittag unter Grabkreuzen?

Aber da fragte der junge Kaufmann bereits, ob der Kirchhof nicht doch zu dick verschneit sei, und Hann lenkte sofort schwerfällig nickend ein: »Ja, ja mit euren Stiefeln ist da wohl nicht durchzukommen — wollen's lieber lassen.«

Line atmete tief auf, sah aber doch noch öfter furchtsam auf den Friedhof hin. Weiter schritten sie, aber für die nächsten Minuten war doch die Stimmung gestört. Sie unterbrachen das Schweigen erst wieder, als unvermutet zweistimmiger Gesang auftönte, und jetzt erkannten die Spaziergänger auch, wie vor der Dorfschule zwei junge Mädchen auf und nieder wanderten, beide Arm in Arm, und eifrig, wenn auch mit halber Stimme, singend.

»Das tun sie hier öfters Sonntags nachmittags,« erklärte Hann.

Noch kehrten die beiden Frauengestalten den Ankömmlingen den Rücken, doch unterschied man bereits deutlich den Text des Liedes, der nicht gerade aufheiternd und munter klang: