»Herrgott, Lining,« stotterte sie.

Doch die Angerufene zupfte weiter. In ihren Zügen fuhr es hin und wieder. Endlich schien sie ein Wort gefunden zu haben: »Weiß man nicht,« stieß sie atemlos hervor, »wohin er gegangen ist?«

»Wohin?«

Die alte Dame besann sich. Hatte sie das in der Eile etwa vergessen? »Nach Amerika natürlich, nach Amerika war er geflüchtet, jenseits des Wassers, wie es alle diese Leichtsinnigen tun, die ihre Ehre verloren haben, und — —«

Die Hast der Erzählerin hatte sie bereits wieder zu weit geführt. Von neuem mußte sie sich unterbrechen, denn Line stand langsam auf.

»Mein Gott, mein Gott,« dachte das alte Fräulein, »wie wenn ihr die Glieder nicht mehr gehorchen wollen. Der Schreck muß sie wohl versteinert haben.«

»Lining,« stammelte sie ängstlich. »Was ist dir?« Da stieß das Mädchen endlich, endlich einen Schrei aus. Kurz, rücksichtslos, durchdringend, und fortan fiel alles Erzwungene, Anerzogene von ihr ab, als wenn sie niemals auf Zehen durch diese Räume gehuscht wäre.

Sie stürzte auf die alte Dame zu und rüttelte diese am Arm, als hätte das gute Fräulein ein Verbrechen gegen sie begangen.

»Hat er nichts für mich hinterlassen?« schrie sie und ballte die Fäuste. »Ich will wissen, ob er für mich nichts hinterlassen hat?«

»Für dich?« wiederholte Fräulein Dewitz vor Schreck starr und gänzlich verständnislos.