»Hat er nichts für mich hinterlassen?« tobte die Verzweiflung noch einmal aus dem Mädchen. Und als die Handarbeitslehrerin gänzlich erschüttert hervorbrachte, warum der Entflohene denn gerade an sie, an Line — über sein Vorhaben etwas berichtet haben sollte, da lachte die Entfesselte auf, jenes schrille, tolle Lachen, welches über die Beschränktheit höhnt, die das Natürliche nicht sehen will, und warf sich vor ihrer Kommode nieder und begann sie auszuräumen.

Alles klirrte und rollte auf der Erde herum, der alten Dame, die ihren Augen nicht traute, gerade vor die Füße.

»Da — und da — und da.«

»Herrgott, was soll das?«

Dem armen alten Fräulein begannen die Hände zu zittern, vor ihren Augen flimmerte es, sie mußte sich an der Klinke festhalten, sonst wäre sie gefallen.

»Lining — barmherziger Himmel — woher dast du das alles?«

»Das? — das?«

Das wußte die Rasende im Moment nicht, woher sollte sie das wissen? Darauf konnte sie sich nicht besinnen. Sie zerrte an den Ketten und Ringen herum und schlug mit den Fäusten darauf, und dann — dann brachte sie eine Photographie Brunos hervor, um sie in Stücke zu reißen, und die Fetzen im nächsten Moment wieder an die Lippen zu pressen und sie wieder wie entsetzt von sich zu schleudern.

Ach, und die gute, alte Dame!

In ihrem Altjungferngemüt dämmerte durch all ihr Entsetzen die einzige Erklärung auf, die einzige Hoffnung, die der frommen Beschränktheit möglich erschien: »Lining,« stotterte sie vor Furcht und Überraschung beinahe gelähmt. »Du hast ihn wohl am Ende gar lieb gehabt?«