»Ja — nein — ja.«

»Lining, willst du mir denn nichts davon erzählen?«

»Nein.« — Das Mädchen erhob sich plötzlich von den Knien, sah sich wirr um und raffte ihren Schmuck zusammen: »Ich will hier fort.«

»Fort? Fort? — Doch nicht von mir? — Warum denn?«

»Weil ich hier nichts mehr zu suchen hab'. Weil ich nicht weggejagt werden will — weil ich hier nichts mehr hören und sehen mag!« rief sie wie in heftigem Zorn, und ohne der alten Dame, die sie als Kind aufgenommen, die Hand gereicht zu haben, ja ohne ein Wort des Dankes, nur mit einem einzigen rollenden Blick, in dem die ganze Abneigung glühte, die diese fromme Engnis jahrelang in ihr aufgespeichert, so lief Line von dannen, barhäuptig, mit flatterndem Kleide, ähnlich, wie sie einstmals gekommen.

Die Handarbeitslehrerin aber saß auf ihrem Sofa und knöpfte die Handschuhe auf und zu und faßte sich an die Stirn und wollte ihrer Pflegetochter nach und sank wieder zusammen und dachte Anfang und Ende zu verknüpfen und sann und sann und rang die Hände: Wie war denn das? Und die gute Erziehung nützte gegen die Sünde nichts mehr? Und Dankbarkeit gab es auch nicht mehr? — Kein Wort des Dankes? Und all die guten Lehren waren umsonst? Und das enge, abgeschlossene Haus hütete nicht sicher? Und die kleinen Wirtschaftssorgen ließen noch etwas anderes zu? — Mein Gott, und Dankbarkeit gab es in der Tat nicht mehr? Wie ist denn das? — Junge Welt — alte Welt — wie ist denn das?

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Unterdessen lief Line durch die Straßen, mit dem kleinen Bündel in der Hand und barhäuptig, denn dieser übergewaltige Stoß hatte sie die junge Dame vergessen lassen, sie war wieder die Lotsentochter, die Fischerdirne, die da meinte, daß die Welt sich an ihr versündigt habe, daß sie bitteres Unrecht leide, und zwischen Wut und Scham schoß es ihr zuweilen unklar durch den Sinn, sie müsse sich rächen.

An wem?