Der neue Pastor. Warum gerade der, darüber vermochte sie sich in ihrer Aufregung keine Rechenschaft abzulegen, sie fühlte nur, er sei der Rechte, auf seinem Namen läge Ruhe.

Um die Mittagsstunde trat sie in sein Zimmer. Alles leer. Doch da die Wirtin meinte, Paul müsse bald zurückkehren, er sei nur von einem Diener des Konsuls abgerufen worden, so beschloß Line zu warten.

Todmüde sank sie auf einem Stuhl zusammen, und das Bündel, das sie bis jetzt geistesabwesend getragen, klirrte neben ihr zur Erde.

Sie wunderte sich zwar über den Klang, aber sie rührte sich nicht mehr. Regungslos, mit festgeschlossenen Augen hockte sie auf dem Sitz, traumhaft umflossen von dem Gedanken »wie ruhig — wie ruhig.«

Stunde auf Stunde verging, sie hatte kein Verlangen, sich zu erheben, nur wenn sie einmal den Kopf hob, dann fiel ihr Blick regelmäßig auf eine kleine, weiße Christusstatuette, die mit den gastlich geöffneten Armen auf der Birkenholzkommode stand und sie anzusehen schien.

Wohl fielen ihr die Augen wieder zu, aber immer wieder erhob sich die weiße Gestalt vor ihrem Blick, und plötzlich mußte sie daran denken, daß dies die Stellung wäre, in der Er gesprochen: »Lasset die Kindlein zu mir kommen.«

Wie merkwürdig das Wort: »Lasset die Kindlein zu mir kommen.«

Und wie seltsam, daß sich ihr im gleichen Moment die Vorstellung aufdrängte, wie garstig es gewesen, als das schwarze Moor unter ihren Füßen nachgegeben. Und war es nicht wieder, als ob sie sinke, tiefer und tiefer in diese weiche, schwarze Masse? Alle Erdengeräusche verschwanden, und allmählich nahm die Ruhe des Zimmers die Erschöpfte völlig hinüber.

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