Durch ihren Traum schritt eine schwarze Gestalt, vor der sie Furcht empfand, weil der Fremde sie mit so starren Blicken maß, und als sie seine knochige Hand am Arm spürte, schrie sie laut auf.

Sie taumelte in die Höhe. In der Stube war es beinahe finster geworden, vor ihr stand Paul.

»Du?« stammelte sie, ohne sich recht besinnen zu können, und stieß mit ihrem Fuß an das Bündel, so daß es klirrte, »bist du endlich da?«

Er sah verwundert auf sie herab, schien sich jedoch ihre Anwesenheit erklären zu können, denn er äußerte nur rasch, ob Fräulein Dewitz ebenfalls bereits von allem unterrichtet wäre, und als Line wortlos genickt hatte, setzte er sich an den Tisch und bedeckte beide Augen mit der Hand. Jedoch einen Augenblick nur, dann sprang er wieder in die Höhe und durchmaß mit langen, schweren Schritten das dunkle Stübchen, immer gefolgt von den Blicken des Mädchens, das in seiner Erschöpfung noch immer ohne klare Gedanken dasaß.

Und wieder blieb der neue Pastor vor ihr stehen. Ihre Gegenwart und dieses gänzliche Zerschlagensein, als ob sie nun für immer auf seinem Stuhl hocken bleiben wolle, begannen ihm allmählich aufzufallen.

»Line, sag' mir, weshalb bist du zu mir gekommen?« fragte er, und seine Stimme klang dabei so rauh und gepreßt, daß Line merkte, wie sehr er sich zusammennehmen müsse, um so zu sprechen, wie er jetzt redete.

Allem ihre Gedanken flogen nicht mehr so rasch.

»Zu dir,« entgegnete sie müde, »ja — zu dir.«

Sie nickte wieder und sank von neuem auf dem Stuhl zusammen.

Paul verzog die Stirn, seine Augen suchten die Dunkelheit zu durchdringen, jedoch die Ermattete bewegte sich nicht weiter.