Der Theologe wurde unsicher.
Was bedeutete dieses schwächliche Gebaren, noch dazu von Line, deren Lebensmut nie zu unterdrücken gewesen? War dieses Gebrochensein allein durch das Unglück der Familie bedingt? Prüfend blickte er wieder auf die Erschöpfte. Und ohne daß er es selbst ahnte, begann sich bei ihm gegen das Mädchen dasselbe Mißtrauen zu regen, das seit dem ungeahnten Vertrauensbruch Brunos alle seine Empfindungen beschlich.
»Weshalb bist du in einem solchen Moment nicht zu den Unseren nach Moorluke hinausgefahren?« drängte er von neuem.
»Zu den Unseren?« wiederholte sie verwundert, und wie wenn die Dunkelheit sowie die Stille nur noch den einen Wunsch nach Ruhe in ihr übrig gelassen hätte, fügte sie schläfrig hinzu: »Laß mich.«
»Laß mich?« Langsam stieg der Zorn in dem Geistlichen auf: »Weißt du denn nicht, was geschehen ist?« fragte er heftiger, allein seine Worte mußten wohl an ihr vorüberhallen, denn sie streckte sich aus, ihr Kopf sank hintenüber, und wenn ihr Fuß nicht wiederum das Bündel berührt hätte, so hätte der Schlaf die Todmüde von neuem entführt, so aber schreckte das klirrende Geräusch sie auf. Hastig zuckte sie zusammen, dieser Goldton brachte sie endlich zur Besinnung.
Und nun flogen Rede und Gegenrede scharf zwischen den Geschwistern hin und her.
»Was hast du da?« fragte Paul, der ebenfalls das Klingen gehört hatte.
»Das? — o — — nichts.«
»Ich rate dir gut. Fahre zur Mutter hinaus. Du wirst unser Haus nicht mehr oft betreten!«
»Ich?«