Hann fuhr zusammen. Die Laterne baumelte in seiner Hand hin und her. Dann dachte er nach.

»Nein,« schloß er endlich und strich sich die Haare aus der Stirn. »Line hat das Leben lieb; daher kommt woll auch alles.«

Wieder traf ihn ein verwunderter Blick des Bruders, dann aber trat Paul auf ihn zu und drückte krampfhaft die Hand des Fischers. Alle geistige Überlegenheit schien weggewischt.

»Wie soll es hier nur werden?« fragte er und drängte sich immer mehr an die Seite des Bruders. »Sieh, ich — ich trete am ersten Juli meine Stelle auf dem Walsin an, und die Hälfte von meinem Gehalt, die gehört euch natürlich. Aber die Pfründen eines Strandgeistlichen sind knapp, mehr würde ich bei allem guten Willen nicht erübrigen können. Aber du, Hann, du armer Junge, wie wirst du hier alles zusammenhalten können? Und noch dazu bei diesen Vorwürfen von Siebenbrod, wenn das Haus erst verkauft wird und das Vieh? Er ist ja auch tief zu bedauern, der arme Mann. Aber dann — was wird dann?«

»Oh,« sagte Hann und suchte in seinem Geiste nach etwas, was den schwer Bedrängten trösten könnte, wobei er schief in seine Laterne hinunterblinzelte: »Sieh, Paul, eins von den drei Booten bleibt uns ja, und wenn Siebenbrod auch nicht mehr mithalten will, mit dem Boot werd' ich schon wieder von vorn anfangen. Es wird schon gehen. Und dann, ich weiß hier eine Stube und eine Küche, wo auch ein Fenster auf die See zugeht, damit Mudding dran sitzen kann. Die mieten wir uns. Weißt du, bei Klaus Muchow, bei dem Taubstummen, du kennst ihn ja. Und da richten wir uns ein, so gut es eben gehn will.«

Es klang soviel Gutherzigkeit aus den einfachen Worten, daß Paul sein Gefühl nicht länger unterdrücken konnte, sondern mit einer krampfhaften Bewegung die Wange des plumpen Burschen zu streicheln begann.

»Aber hast du auch bedacht, lieber Bruder,« stammelte er, »daß du mit diesem Vorsatz dein ganzes Leben unserer Familie zum Opfer bringst? Hast du das auch bedacht?«

»Ja, wenn es aber nun nich anders einzurichten geht?«

»Lieber Junge —« und er legte ihm schwer die Hand auf die Schulter, »aber deine Braut? — Denkst du auch daran? — Klara Toll? Was wirst du der sagen?«

Hier senkte Hann tiefer und tiefer sein Haupt und ließ die Laterne schaukeln, als wenn der Wind sie triebe. »Ja,« kam es endlich schwer aus ihm heraus, »das arme Mädchen — hätt' ihr auch was Besseres gewünscht. Aber,« seufzte er hinterher, »sie verliert woll nich viel an mir.«