Als sie so sprachen, fuhr durch die Tür ein Windzug, der heulte durch das Haus und ließ die Bodenklappen zittern und löschte Hanns Laterne aus.
»Line,« rief der unwillkürlich, denn ihm fiel ein, daß die Unglückliche noch immer unterwegs sein könnte, und während er seine Leuchte mit tappender Hand von neuem entzündete, warf er hastig die Frage hin: »Und Lining? — Was wird aus der?«
Der Pastor murmelte etwas. Dann schlug er den Mantelkragen in die Höhe, und nachdem er auf die Straße hinausgetreten war, hörte Hann, der an seiner Seite geblieben war, wie der Geistliche in Aufregung hervorstieß: »Wenn ich sie doch nicht von mir gelassen hätte. Wenn ich sie doch gehalten hätte, wie es meine Pflicht war. Aber sobald wir sie wieder haben, und es kann mit Ehren geschehen, dann nehme ich sie mit mir — — bei mir — — —«
Das übrige verwehte der Wind.
Dann gingen sie weiter, sie zu suchen.
* * *
Durch die sternenlose Nacht heulte ununterbrochen der Wind. Der Fluß wälzte rastlos schwarze Wellen zur Mündung, rascher, immer rascher; aber draußen, dem großen Wasser, dem nimmersatten, konnte es nicht genug werden, und es erhob sich wie ein Geizhals, wie ein Gläubiger, der eintreiben will, und schrie: »Mehr — mehr!«
Hei, wie zauste und wühlte jetzt der Wind in den Binsengebüschen, wie trieb er den Fluß stoßend gegen sie an, und wie murmelte und gurgelte es dann zwischen den Gräsern.
Nun wurde wieder ein Stück festen Landes mürbe, nun bullerten kleine Blasen in die Höhe, und der Fuß, der dort stand, sank ins Feuchte.
Und dort stand wirklich jemand, ein junges Weib, dem die Haare um das Haupt wehten, dem die Röcke vor dem brausenden Sturm um den Leib wirbelten, es stand und hielt sich an den hochgewachsenen Stauden fest und lugte bald zu den kleinen Lichtern hinüber, die aus den Moorluker Häuschen herausdämmerten, bald kehrte es sich zu dem Kreuzweg zurück, wo die Fänge der alten Windmühle in rasender Eile im Kreise schwirrten.