»Rah — rah,« schrie die Fledermaus auf dem Kreuzweg und schlug wie toll mit den Flügeln durch die Nacht.

Aber warum klammerte sich Line in Todesangst an die schwanken Binsen, warum griff sie immer nach neuen hinter sich, sobald sie einen Büschel abgerissen hatte, warum arbeitete sie sich zurück und lief, wie gehetzt, fast bis unter die Windmühle zurück?

Dort stand sie mit rasend klopfendem Herzen still. So war sie am Vormittag schon einmal geflohen, aber jetzt, warum jetzt wieder? In einen verzweifelten Schrei brach sie aus und preßte die Hände gegen die Schläfen. Noch suchte sie sich in ihrer Umnachtung zu überreden, es wäre nur der Ort, der ihrem Vorhaben nicht günstig wirke. Ja, ja, weiter oben, wo das Ufer schroffer, wo die Steinmauern sich dehnten — — —

Wieder trieb sie es, nach der bezeichneten Stelle zu rennen, aber ihre Füße wurzelten gegen ihren Willen fest, und während sie wie ein furchtgeschüttelter, schwacher Mensch aufheulte, klammerte sie sich halb besinnungslos an die Unterbalken der Mühle an, als wollte sie sich selbst verhindern, noch einen einzigen Schritt weiter nach der Mündung hin zu richten.

Nein, sie wollte nicht, sie wollte nicht, sie war noch so jung, es mußte noch einen Weg geben, sie war ja stark und trotzig, und sie hatte das Leben so lieb, so lieb — — —

»Ich will nicht,« stammelte sie in ohnmächtiger Auflehnung, »ich will nicht.«

Über den Landweg irrlichterierte schwankend hin und her — ein großer, leuchtender Funke. Manchmal verglimmte er, dann sprang er wieder empor, wackelte langsam näher und begann eine Lichtbahn vor sich her zu werfen.

Die traf auf das Fachwerk der Windmühlenflügel, dann kletterten die Strahlen über die Unterbalken, und nun huschten sie über das Haupt und die zerzausten Haare des jungen Weibes.

Als sie das Licht merkte, richtete sie sich gierig auf, auch der Leuchtkäfer hielt inne, in beträchtlicher Entfernung, wie erschreckt.