Lange starrte er hinauf und lauschte.
Aber nichts regte sich mehr, nur die Hauskatze hörte er auf samtnen Pfoten vorüberschleichen.
Schmerzlich wandte der Beobachter das struppige Haupt zurück, und seine Gedanken verknüpften sich wieder.
Mein Gott, wie war die Jugendfreundin, die er so lieb gelabt hatte, »so liebing,« wie war sie zurückgekehrt? In Schande, ins Elend gestoßen. Und von wem? — Von seinem Bruder, der sie hätte hochhalten müssen.
Er dachte weiter und fragte sich: »War sie nun wirklich schlecht? — Schlechter als früher?«
Je, wer konnte das wissen? — Ich weiß es nich. Denn ich hab' solch eine Stunde, nach der sich doch alle Menschen und selbst das Vieh heimlich sehnen, noch nich erlebt. Aber mich dünkt, wer ein Richter über was sein soll, der müßt' das auch alles erlebt haben.
Und is das nich eigentlich komisch, daß das »schlecht« sein soll, woran die Menschen doch so viel denken, und was sie sich wünschen? Und schließlich, solch einen neuen Menschen in die Welt gesetzt zu haben, is doch auch ein kleines Verdienst. Und wenn ich mir so überleg', was herrscht nich für Freude, sogar bei Siebenbrod, wenn eine Kuh kalbt, und da wollen sich nun viele Leute wirklich so vergehen, daß sie ein neugeborenes Menschenkind, was doch viel mehr is, nich gern in die Welt reinlassen wollen? »Oh, pfui — ne, dafür will ich woll sorgen.«
Aber bei dem Wort »sorgen« fiel ihm schwer aufs Herz, was er ohnehin schon alles gegen Line auf sich genommen hätte. Ach, was war sie doch anders, als er sich es vorgestellt hatte. Wie wild, wie trotzig, wie gar nicht ein bißchen demütig war sie. Und was hatte sie sich alles ausbedungen, bevor sie sich, noch immer ungern und sich sträubend, von ihm hatte in den Kahn ziehen lassen.
Er seufzte.