Warum? Warum krochen die Monate so? Wie lange mußte sie hier noch sitzen? Wann war sie endlich frei und erlöst? Sie rechnete an den Fingern. Denn hier — hier blieb sie keinen Tag länger, als sie mußte. Hier war ja nur ein Versteck für sie, ein Unterschlupf. Hier band sie ja nichts! — Oder Hann vielleicht?

Sie zuckte die Achseln.

Freilich, sie wußte sehr genau, daß es Hanns größte Freude im Leben ausmache, ihr ins Gesicht schauen zu dürfen. Es war lächerlich — sie tat nichts dazu — aber es war einmal die Angewohnheit des ihr so ungleichen Bauern.

Und dann dachte sie sich auch, dabei könne man ihn lassen, das schadete ja keinem, und Hann müsse ihr schließlich noch dankbar sein, wenn sie diese elende Hütte mit ihm teile.

»Tag, Fräulein,« klang es von draußen.

Line fuhr auf.

Über den Wiesenweg zur Mole schritt oll Kusemann vorüber, der übertrieben tief seine zierliche Lotsenmütze zog und mit den Augen zwinkernd, wohlwollend fragte: »Na, ümmer noch gut zu Wege, Mamselling?«

Line sah ihn an, wurde blutrot und schlug klirrend die Scheiben zu.

»Kuck, wie nett,« sprach der Lotse, unbekümmert um ihre Wut, und dienerte rückwärts, wie ein Krebs, an ihr vorüber. »Na, solche Zornigkeit verschwindet aber bald wieder. Das bringen manchmal die Umstände mit sich. Ich komm und kuck mich mal abends nach dem Mamselling um.«